fullscreen: Berliner Banken

■ 68 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken. 
schinen, zu Opfert: der Arbeitsteilung. Sie sind fungible 
Werte in der Kalkulation der Bankleiter; ob Müller oder 
Schulze den Posten bekleidet, ist absolut gleichgültig. 
Die Folge dieser Degradation der banktechitischen Arbeiter 
ist natürlich ein Sinken der Gehälter, das roiederum 
durch das Eindringen weiblicher Arbeitskräfte in die 
Bankbureaus außerordentlich gefördert wird. Ich weiß 
noch, welch großes Erstaunet: es zur Zeit, wo ich Lehr 
ling war, in unseren Bureaus erregte, als wir von einer 
Münchener Firma erftchren, die eine große Reihe von 
jungen Damen beschäftigte. Heure sieht man weibliche 
Bankbemnte in säst allen Bureaus. Vornehmlich aller 
dings als Schreibmaschinistinnen, die nach Diktat ihre 
Stenogramme aufnehmen. Aber allmählich beginnt doch 
auch das weibliche Element sich in: Bankfach ein weiteres 
Tätigkeitsgebiet zu erobern. Auch selbständige Arbeiten 
werden hie und da schon von Frauen geinacht. 
So sehen wir denn, daß die soziale und die peku 
niäre Lage der Bankbeamten sich immer mehr ver 
schlechtert hat. Äußerlich freilief) nimmt sich ihre Lage 
immer noch verhältnismäßig besser aus, als die der An 
gestellten aitderer Branchen. Sie haben eine ziemlich 
geregelte Arbeitszeit, verrichten ihr Tagewerk in hohei: 
luftigen Räumen, aber selbst diese Vorzüge sind nicht so 
glänzend, wie sie der Außenwelt immer erscheinen: Die 
Bankräume, die der Fuß des Publikums nicht betritt 
und die den Bankdirektoren nicht zum Aufenthalt dienen, 
sind keineswegs mit derselben Opulenz ausgestattet, wie 
die Prunk- und Repräsentationsabteilung. Und wenn 
die Glocke das Ende der Kassastunde schlägt, so bedeutet 
das für die Beamten noch lange nicht den Eintritt der 
Ruhe. Hinter den verschlossenen Läden wird oft, namenüich 
zur Abschlußzeit, noch lange und auch am Sonntag gearbei 
tet. Vis vor kurzem galt wenigstens die Beschäftigung der
	        
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