Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

654 Sechzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
und besonders sollten sie die katholischen Fürsten der kirchlichen 
Sache gewinnen. Das gelang ihnen verhältnismäßig leicht bei 
den Laienfürsten. Unter den Habsburgern wurden der Erz⸗ 
herzog Karl von Steiermark, dessen Residenz Graz 1580 sogar 
eine besondere Nuntiatur erhielt, und Erzherzog Ferdinand von 
Tirol und Niederösterreich ihre Freunde; vor allem aber er— 
hielten sie in Herzog Albrecht V. von Bayern einen wahren 
Hort ihrer Bestrebungen. Viel schwerer war es, sich den geist⸗— 
lichen Fürsten zu nähern; diese zeigten unverhohlenes Mißtrauen, 
der Bischof von Bamberg vermied sogar jede Verhandlung 
mit irgend einem der Nuntien. Es zeigte sich, daß mit dem 
lebenden Geschlecht dieser Bischöfe nichts zu erreichen war; sie 
waren zumeist religiös indifferent, aber zu Kompromissen mit 
den Evangelischen geneigt, ja bisweilen glaubte man in streng 
katholischen Kreisen gar an ein geheimes Einverständnis aller 
mit den Protestanten. So wurde für die Nuntien das Ab— 
sterben dieser Herren zum wichtigsten Augenblick: denn nun kam es 
darauf an, einen sicheren katholischen Nachfolger durchzusetzen. 
Es geschah meist, indem man für die Einschiebung junger 
Prinzen aus den katholischen Laienhäusern sorgte, mochte sich 
auch, ganz gegen die Tridentiner Bestimmungen, in deren Händen 
eine Anzahl wichtiger Pfründen und Bistümer häufen: wurde 
doch damit zugleich wieder das Wohlwollen dieser Laienfürsten, 
namentlich der Habsburger und Wittelsbacher, gewonnen; und 
so erscheint die Cumulation hoher geistlicher Würden in den 
Händen weniger, oft minder würdiger Prinzen bald als eine 
der bezeichnendsten Erscheinungen der Gegenreformation. 
Freilich kam man auf diesem Wege vorwärts. Und vor— 
wärts bewegte sich seit den siebziger Jahren überhaupt der Einfluß 
des Katholizismus. Die Nuntien galten bald an Höfen viel, wo 
man sie lange nicht oder gar noch niemals gesehen hatte; der stille 
Einfluß der Jesuiten schob sich überall ein; in den Domkapiteln, 
im Pfarramt und in der Gesellschaft wirkten die Zöglinge des ger⸗ 
manischen Kollegiums. Und über all dem lag der Hauch neuer 
geistiger Regungen, das frohe Bewußtsein gleichsam stiller 
Rekonvalescenz. Der Katholizismus atmete wieder, er lebte
	        
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