Spiel von Angebot und Nachfrage den durch gzewerkschaftlichen
Tarifvertrag festgesetzten Arbeitslohn korrigiert, und zwar
nach oben. Zur Zeit unseres Aufenthalts in Detroit teilten uns Mitglieder
des Maurerverbandes mit, dass Sie einen Tarifvertrag
hätten, der 1,50 Dollar Minimum pro Stunde festsetzt, der Tarifsatz
sei jedoch praktisch ausser Geltung, denn der tatsächlich gezahlte
Mindestlohn sei in allen Fällen ohne Ausnahme höher und
gehe sehr häufig zurzeit bis zu 2,25 Dollar pro Stunde. Gleiches
sagten uns die organisierten Modellschreiner, deren Vertragsminimum
tariflich auf 1,25 Dollar festgelegt war, und die einen
freien Lohnsatz bis zu 2 Dollar erreichten. Das sind indessen
seltene Ausnahmen, hergeschwemmt und wieder verschwindend
mit einer raschen Koniunkturwelle. Aber auch die gelegentliche
und stellenweise Überbietung des gewerkschaftlich errungenen
Lohnes geht eben doch vom letzteren als dem Minimum aus.
In Gegenden mit gewerkschaftlichen Organisationen von starker
Wirksamkeit — und solche finden sich vor allem in den Grossstädten
des Nordostens — erhalten die Arbeitsbedingungen der gesuchten
Facharbeiter in sehr grossem Umfang ihre Gestaltung
gerade durch die gewerkschaftlichen Kollektivabmachungen, auch
wenn diese nicht das Berufsganze, sondern nur einen beträchtlichen
Teil der betreffenden Berufsgruppen unmittelbar erfassen.
Selbst in den Fordschen Werken gestaltet sich die Lohnhöhe
nicht einfach „nach der Konkurrenzfähigkeit“. Henry Ford sagt in
seinem Buch, dass er jede Verhandlungen mit Gewerkschaften ablehne
und die Arbeitsbedingungen seines Betriebes unabhängig von
diesen festsetze. Formell entspricht dies durchaus der Wahrheit.
Ford gehört nicht zu denjenigen, die sich die Zerstörung oder
Unterdrückung der Arbeiterorganisationen zum Ziele gesetzt haben,
weigert sich aber, mit deren Vertretern für seinen Betrieb Tarifverträge
abzuschliessen. Er setzt die Löhne für seine Arbeiterschaft
aus eigener Macht fest — „merkwürdig nur, dass sie immer
grade um 10 Cent über dem Tarifstundenlohn liegen“, bemerkte ein
Gewerkschaftsbeamter der Metallarbeiter auf eine Frage von uns.
Das trifft in dieser etwas sarkastischen Zuspitzung annähernd nur
auf die Löhne der Gelernten zu, wenigstens der Maschinenschlosser
und Werkzeugmacher, deren Arbeitsbedingungen bei Ford wir
einigermassen kennenzulernen Gelegenheit hatten. Ihr Lohn ist um
einen nicht allzu grossen Bruchteil höher als in anderen Betrieben:
der Höchstlohn, der einem Werkzeugmacher dort gezahlt wird, ist
1,37% Dollar pro Stunde oder 11 Dollar pro Tag; allerdings auch
in achtstündiger Tagesarbeit wie in einem gewerkschaftlich organisierten
Betriebe. Dies ist jedoch nicht der Durchschnittslohn,
sondern der Höchstlohn, der in anderen Werkstätten in Detroit 1,25
Dollar ist. Anders liegt es-bei den ungelernten Arbeitern der Ford-4
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