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IV. Lohn und Lebenshaltung in AnyEriRä “os
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1. Amerikanische Löhne.
D ass der Arbeitslohn in Amerika fast durchweg höher ist als der
Lohn für die jeweils gleiche Arbeitsleistung in Europa und im
besonderen Falle in Deutschland, ist eine allgemein bekannte und
anerkannte Tatsache, die selbst in tendenziösen Schriften dies-
seits des Wassers zugegeben wird. Den Dollar zu seinem Nomi-
nalwert von 4,20 Mk. gerechnet, verdient der amerikanische Ar-
beiter ein Mehrfaches von dem Lohn seines deutschen Kollegen.
Diejenigen Arbeiter, deren Organisationen bei der Lohn-
gestaltung mitwirken, haben tarifliche Mindestlöhne, die oft weit
über dem Vierfachen der deutschen tariflichen Spitzenlöhne liegen.
Einige Beispiele seien aus einer nachfolgenden kleinen Tabelle
(Seite 158) vorweggenommen. Der höchste Spitzenlohn pro Stunde
des Buchdruckertarifs in Deutschland wurde im Monat September
1925 nach der Statistik der „Gewerkschafts-Zeitung‘“ des All-
gemeinenDeutschenGewerkschaftsbundes in Berlin gezahlt mit 1 Mk.
Das höchste Tarifminimum der amerikanischen Buchdrucker zahlt die
Unternehmerschaft von New York mit 1,205 Dollar gleich 5,06 Mk.,
das ist nominal das Fünffache. In Philadelphia, wo es der grössten
Buch- und Zeitschriftendruckerei Amerikas, der Curtis Publishing-
Company, vor einigen Jahren nach einem von der Arbeiterschaft
verlorenen Streik gelang, ihren Betrieb von Gewerkschaftsmit-
gliedern völlig zu „reinigen“, wird derzeit der niedrigste Tariflohn
des ganzen Nordostens, nämlich 90 Cent gleich 3,78 Mk. gezahlt.
Einen der niedrigsten Spitzenlöhne in Deutschland hat Gera mit
0,90 Mk., das ist etwas weniger als ein Viertel des Tariflohnes
von Philadelphia. Ziehen wir weiter in Betracht den ameri-
kanischen Süden mit seinen notorisch schlechtesten Lohnverhält-
nissen in fast allen Gewerbezweigen, so finden wir in der Stadt
New Orleans im Staate Louisiana einen Buchdruckertariflohn von
78,4 Cent gleich 3,29 Mk., das ist genau das Dreiundzweidrittel-
fache des niederen deutschen Tariflohnes von Gera oder das
Dreiundeindrittelfache des Tariflohnes von Berlin.
Man mag einwenden, dass es sich bei den amerikanischen Tarif-
löhnen nicht so sehr wie bei den deutschen um eine Verallgemeine-
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