Die niedrigsten Löhne der Metallindustrie fanden wir bei
Stundenlohn-Arbeiterinnen in Werkstätten von Detroit, welche
die grossen Automobilfabriken mit Schrauben und Details be-
liefern. Der nominale Stundenlohn war 25 Cent gleich 1,05 Mk.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass in Milwaukee und selbst in
Chicago den Frauen in der Metallindustrie vereinzelt noch
niedrigere Löhne gezahlt werden, jedenfalls aber befindet sich
im ganzen Lande kein sehr grosser Teil der Lohnempfängerinnen
der Metallindustrie auf dieser untersten Grenze. Höchstwahr-
scheinlich sogar ist der Bruchteil der weiblichen Metallarbeiter,
die nur ein viertel Dollar oder darunter verdienen, nicht grösser
als der Prozentsatz weiblicher Metallarbeiter in Deutschland,
deren Tariflohn (in der höchsten Altersklasse) nur ein Viertel
bis ein Drittel dieses Lohnes, nämlich 35 Pf. und weniger beträgt.
(Brandenburg 30 Pf., Frankfurt a.d. Oder 35 Pf., Halle 35 Pf.
Hamburg 35 Pf., Kiel 35 Pf,, Königsberg 26 Pf., Liegnitz 28 Pf.,,
Magdeburg 33 Pf., Stettin 34 Pf., Waldenburg 28 Pf.)
Als tatsächlich gezahlter Durchschnittslohn der weiblichen Ar-
beiter werden in der Statistik für die allgemeine Metallverarbeitung
35,5 Cent angegeben, eine Angabe, die wir nach unseren eigenen
Ermittelungen und den uns von den verschiedenen Orts-
verwaltungen amerikanischer Metallarbeiterorganisationen ge-
gebenen Auskünften ebenfalls für zutreffend halten können. Im
Maschinenbau ist der Durchschnittslohn weiblicher Arbeiter 38,7
und im Automobilbau 44,4 Cent. Es ist dies nach dem Zeitungs-
gewerbe mit 45,8 und der Wollwarenindustrie mit 45,6 Cent der
höchste Durchschnittslohn für weibliche Arbeiter irgendeiner
Industrie des Landes. In Deutschland wird der höchste Tarif-
stundenlohn für weibliche Metallarbeiter in Chemnitz gezahlt und
ist 46 Pf. (in Dresden 45,5, Zwickau 45,5, Plauen 45,5, Biele-
feld 42,5, Berlin 42 Pf). Der Durchschnittslohn weiblicher
Arbeiter in der amerikanischen Metallverarbeitung ist also mit
35,5 Cent gleich 148 Pf. etwa das Dreifache des höchsten oder
das mehr als Fünffache des niedrigsten deutschen Tariflohnes
dieser Art, einschliesslich der angenommenen 12 Prozent tat-
sächlichen Mehrverdienstes über den deutschen Tarifsatz.
Der niedrigste durchschnittliche Stundenlohn aller hier erfassten
Industrien wird den Ungelernten und den weiblichen Arbeits-
kräften in der Baumwollindustrie des Südens mit 24,3 bzw.
26,6 Cent, d.h. 1,02 bis 1,12 Mk. pro Stunde gezahlt. Auch diese
Löhne würden noch einDrei- bis Dreieinhalfaches niederer deutscher
Frauen- und Tagelöhnerverdienste sein, allein wir halten diese
Angaben nach unseren sonstigen Erkundigungen für zu hoch und
glauben, dass besonders in diesem Falle unsere Vermutung zu-
trifft, dass nämlich die Unternehmungen mit den übelsten Arbeits-
166