kannte oder befreundete Besucher. Dennoch wird beides, das
Fabrizieren wie das Kredenzen des „home brew“, mit äusserster
Vorsicht ausgeübt, sei es, weil es die Familie um den Ruf als loyale
Staatsbürger bringen kann, sei es, dass die Interpretation des
Begriffs „bekannter oder befreundeter Gäste“ im Zweifelsfall allzu
leicht gegen den hochherzigen Gastgeber ausschlägt.
Auf der anderen Seite kann man aber der häuslichen Schnaps-
fabrikation nicht gut entraten, denn man wird schwerlich einen
Gast, an dessen Freundschaft einem gelegen ist, im Hause emp-
fangen, ohne ihm seine Wertschätzung dadurch zu demonstrieren,
dass man alle Gefahren der Alkoholbeschaffung zu Ehren seines
Erscheinens auf sich nimmt. Selbst Babbitt, der Romanheld, das
etwas in die Karikatur gezogene Muster eines loyalen Bürgers,
der auf das herrschende Parteibekenntnis seiner Heimatstadt
schwört, die dominierende Religionssekte unterstützt, über alle
Fragen der Zeit und Ewigkeit die offiziell gestempelte Meinung
eifrig vertritt und sich völlig der Konvention unterwirft, schleicht
im Abenddunkel zu einer obskuren Lokalität, um für seine Gäste
den verbotenen Labetrunk zu besorgen. — Und gar in den seligen
Gefilden der Jazz-Band, auf dem Tanzboden, erobert man die
begehrtesten Tänzerinnen durch das berühmte Fläschchen in Ge-
sangbuchformat — „hier an dem Herzen treu geborgen“.
Leider ist die häusliche Schnapsbereitung mit mancherlei Ge-
fahren verbunden. Unkundige gelangen bei der Fabrikation zu
einem dem Holzgeist ähnlichen Resultat, dessen Genuss zur Er-
blindung führt. Die amerikanischen Krankenhäuser sind auch tat-
sächlich, wie wir selbst bei Besuchen in solchen gesehen haben,
voll von Menschen, die auf diese Weise ihr Augenlicht ganz oder
teilweise verloren oder sonstwie an ihrem Körper schweren
Schaden litten, so dass es gut wäre, entweder die sokratische
Unterweisung in der Achtung vor dem Gesetz strikt durchzuführen,
oder aber die angehende Hausfrau schon als „höhere Tochter“ über
die gesundheitsgemässe Getränkezubereitung zu belehren. Man
sagt, die verschlechterte Qualität stifte heute nicht weniger Schaden
als früher die übertriebene Quantität. Ausgeschlossen wäre dies
nicht.
Betrachtet man aber die Verbotswirkung nach finanziellen Ge-
sichtspunkten, so ist es vollends unzweifelhaft, dass für den ver-
ringerten Konsum von heute bedeutend mehr Geld ausgegeben
wird als für die grösseren Mengen von früher. Die Herkunft der
verbotenen Getränke ist verschiedener Art. Sie werden von den
Küsten der Ozeane und auch über die Landesgrenzen herein-
geschmuggelt. Aber auch im Landesinnern ist die Herstellung nicht
völlig unterdrückt, da ja die Verwendung geistiger Getränke sowohl
für medizinische wie für kirchliche Zwecke erlaubt ist. Dass beide
188