Full text : Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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bei uns. Dafür tritt die Berufsolidarität mehr in d  Wördersrun®
Die amerikanischen Gewerkschaftsmitglieder sid. stolz darauf,‘
dass ihr Verband für ihre Berufsgruppe gute Arbeitsbedinguhgen
erreicht hat. Aber es ist ihnen nicht recht einle ıchtend, dass sie“
besondere Anstrengungen machen, ja persönlich Opfer bringem
sollten, um auch solchen Arbeitergruppen, die ihnen beruflich fertz
stehen, zu den Vorteilen der Organisation zu verhelfen: *Nichtohrie
Mitleid, aber doch mit einer gewissen Verachtung blicken sie auf
diese Gruppen herab, die nicht organisiert sind und deshalb
schlechte Arbeitsbedingungen haben. Warum gründen sie für sich
nicht auch Gewerkschaften?
Für den deutschen Gewerkschafter ist es eine erstaunliche Beobachtung,
 nicht nur dass ganze und grosse Berufsgruppen völlig
unorganisiert sind, sondern dass die organisierten Gruppen dieser
Tatsache mit ziemlichem Gleichmut gegenüberstehen. Im ganzen
gesehen ist das Organisationsverhältnis in den Vereinigten Staaten
nicht gut. Im Jahre 1920, als die Mitgliederzahl der Federation mit
über 4 Millionen ihren Höhestand erreicht hatte, waren unter Einrechnung
 auch der anderen Gewerkschaften von den mehr als
26 Millionen Lohnempfängern doch nur weniger als 20 Prozent
gewerkschaftlich organisiert. Inzwischen ist die Zahl der Arbeiter
sicher noch grösser geworden, die der Gewerkschaftsmitglieder
aber um 30 Prozent gesunken. Wir haben aber gefunden, dass
organisierte Arbeiter, mit denen wir dies besprachen, keineswegs
 das Empfinden hatten, als ob dadurch ihre eigenen gewerkschaftlichen
 Erfolge nennenswert beeinträchtigt werden könnten,
sofern nur ihre eigene Organisation gut beieinander sei. Es scheint,
als ob das Interesse vieler Gewerkschaftsmitglieder sich nur auf
den eigenen Verband beschränkt und oft nicht über die engere Local
union hinausreicht. Das ist ein Übel, das in einem gewissen Grad
wohl. in allen Ländern anzutreffen ist, in der amerikanischen Bewegung
 aber ganz besonders stark vorherrscht. Wir wissen uns
eins mit den Führern der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung,
wenn wir in dieser auffallenden Gleichgültigkeit gegenüber der Gesamtbewegung
 eine ernsthafte Gefahr auch für diejenigen sehen,
die heute noch glauben, genügend geschützt zu sein, wenn nur
die eigene Gewerkschaft stark ist. Gerade in den Vereinigten
Staaten, wo die Industrialisierung und Mechanisierung des Arbeitsprozesses
 schnellere Fortschritte macht als irgendwo sonst in der
Welt, ist das Problem, die gesamte Arbeiterschaft gewerkschaftlich
zu umfassen, besonders dringlich. Die bisherigen Gewerkschaften
sind entstanden, wo sie am leichtesten zu errichten und wo am
schnellsten sichtbare Erfolge zu erzielen waren, d. h. vorwiegend
bei den qualifizierten Arbeitern. Sowohl die Ungelernten als auch
die Angestellten in den Bureaus und Verkaufsläden sind zum

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