Leitung, die nach anderen als rein geschäftlichen Prinzipien die
Bank führen wollte.
Die amerikanischen Arbeiterbanken haben nicht nur die Aufgabe,
die Vermögen der Gewerkschaften selbst zu verwalten, sondern sie
haben besonders zu ihrer Aufgabe gemacht, die Spargelder der Mit-
glieder zu erfassen. Der amerikanische Arbeiter ist infolge seines
verhältnismässig hohen Lohnes nicht nur in der Lage, zu sparen,
sondern auch infolge des Fehlens jeglicher sozialen Versicherungen
dazu gezwungen. Tatsächlich ist es gelungen, die Spargelder der
Mitglieder in weitestem Masse den Privatbanken und Sparkassen
zu entziehen und den Kassen der Arbeiterbanken zuzuführen.
Ausserdem hat man in vielen Fällen verstanden, andere wirtschaft-
liche Kreise für die Arbeiterbanken zu interessieren, die ihren Geld-
verkehr über die Arbeiterbanken leiten und somit ihrerseits zu deren
Stärkung beitragen. Da die Arbeiterbanken Vertrauen geniessen
und verstanden haben, sich Ansehen in der Geschäftswelt durch
ordnungsgemässe Geschäftsführung zu erwerben, werden sie vom
Publikum genau so wie jede andere Bank benutzt und haben fast
dieselben Möglichkeiten wie die Privatunternehmungen. Das ent-
scheidende für das Publikum ist in allererster Linie die Leistungs-
fähigkeit, und sowohl technisch wie geschäftlich sind die amerika-
nischen Arbeiterbanken allen Privatbanken im grossen und ganzen
absolut ebenbürtig, wenn nicht in einzelnen Fällen sogar überlegen.
In der Anlage der Gelder unterscheiden sich die amerikanischen
Arbeiterbanken nur unwesentlich von den Privatunternehmungen.
Sie geben Darlehen an Privatpersonen, die die nötigen Sicherheiten
beibringen können, unter Bevorzugung von Mitgliedern ihrer ge-
werkschaftlichen Organisation. Sie geben Kredite an Privat-
unternehmungen, jedoch fast immer nur an solche Unternehmungen,
die gewerkschaftsfreundlich eingestellt sind und im Vertragsver-
hältnis mit den Gewerkschaften stehen. Da in Amerika eine starke
Genossenschaftsbewegung fehlt und der Begriff der Gemeinwirt-
schaft fast unbekannt ist, bestehen nicht die Anlagemöglichkeiten
für Gelder, die.in den europäischen Ländern, besonders in Deutsch-
land und Österreich, für die Arbeiterbanken bestehen. Der Unter-
schied zwischen einer Privatbank und einer Arbeiterbank in der
Geschäftstätigkeit ist deswegen sehr gering, und trotzdem ist die
Tatsache, dass die amerikanische Arbeiterschaft die Organisierung
ihrer Finanzkräfte durch die Arbeiterbanken selbst vornimmt und
somit einen Machtfaktor im Wirtschaftsleben schafft, von un-
geheurer Bedeutung. Das wesentliche ist, dass die Vertreter der
Arbeiterschaft die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Mittel be-
kommen. Ob und wie sie diese Verfügungsgewalt einmal anwenden,
ist abhängig von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung
Amerikas.
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