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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
und Inhalt sind das, was den Amerikaner lockt. Was ihn zum
Besuch zu reizen vermag.
Man: wird mir wahrscheinlich entgegenhalten: Ja, Alt-
Heidelberg! Mit seiner alten Geschichte, seiner märchenhaften
Schloßruine, seinem reizvollen Studentenleben. Das kann wohl
interessante und vielgestaltige Bilder liefern.
Scheinbar trifft das zu. Aber doch nur scheinbar. Es gibt
wohl keinen Kur- und Badeort, keine große oder kleine
Fremdenverkehrsstadt, die nicht ebenfalls Ungewöhnliches,
Reizvolles und auch im Ausland Wirkendes zu zeigen hätte.
Hier sind die Worte Goethes wirklich angebracht: Greift nur
hinein ins volle Menschenleben! Und wo ihr’s packt, da ist’s
interessant. Allerdings muß die Gabe dafür vorhanden sein,
das Richtige beim Griff ins volle Menschenleben, oder in die
Natur, oder in die Tradition und Geschichte, oder in die
Geschehnisse aller Art zu packen.
Die wunderhübsche Broschüre aus Heidelberg soll Anregun-
gen dazu geben, bei der Auslandswerbung in Zukunft nach
solchem Bildermaterial Ausschau zu halten, das wirklich zum
Werber werden kann. Es ist vorhanden. Greift nur hinein...
Ferner will ich an Hand dieses Beispieles zeigen, wie man
auch aktuelle Ereignisse in geschickter Weise für wirkungs-
volle Werbebroschüren verwenden kann. Im Frühjahr 1926
haben bekanntlich zirka 300 amerikanische Hoteliers mit ihren
Damen eine mehrwöchentliche Studienreise durch die bemer-
kenswertesten Reiseländer Europas gemacht. Dabei wurde auch
Heidelberg berührt. Daß Heidelberg manches Interessante zu
zeigen hat, wissen wir. Für unsere Zwecke ist aber wichtig, zu
wissen, „wie‘‘ es seine Kuriositäten und Schönheiten: den
amerikanischen Besuchern gezeigt hat! Ob damit auch der
Propaganda gedient wurde, an die heutzutage wohl oder übel
bei all und jedem gedacht werden muß.
Nun, Herr Fritz Gabler, Besitzer des Hotels Europäischer
Hof und Mitbesitzer des Hotels Viktoria in Heidelberg, zeigte
uns ein halbes Jahr nach jenem Ereignis zweierlei. Erstens:
wie Heidelberg damals die amerikanischen Hoteliers zu fesseln
wußte; zweitens: wie man ein solches Geschehnis auch später
noch zu Werbezwecken verwerten kann. Herr Gabler stellte in
der hier zur Besprechung stehenden kleinen Broschüre, die er