Die Weltproduktion an Steinkohle war im Jahre 1925 um etwa
6% Prozent geringer als 1913 und sogar um rund 1% Prozent
niedriger als im Jahre 1924. Der einzige bedeutende Produzent,
der seine Erzeugung während der letzten zwölf Jahre auf gleicher
Höhe zu halten vermochte, ist Amerika. Der Anteil der Vereinigten
Staaten an der Weltproduktion hat sich infolgedessen von 35,4
Prozent in 1913 auf 38 in 1925 gesteigert. An zweiter Stelle steht
England mit 17,7 gegen 20 Prozent vor dem Kriege.
Die kontinentale Gruppe Frankreich-Deutschland-Polen hat als
Gesamtkomplex sowohl absolut als auch relativ einen Produktions-
rückgang zu verzeichnen, der sich infolge der Änderung der
politischen Grenzen jedoch nur bei Deutschland zeigt. Deutsch-
lands Produktion ist von 1913 bis 1925 um reichlich 30 Prozent
gesunken, so dass der relative Anteil Deutschlands an der Welt-
erzeugung von 13 auf 9,6 Prozent zurückging.
Bei der Veränderung der Steinkohlen-Welterzeugung ist zu be-
achten, dass im besonderen in Europa (Deutschland) die Braun-
kohlengewinnung gewaltige Fortschritte gemacht hat, und dass
zum anderen die Wärmewirtschaft und damit die bessere Aus-
nutzung der Heizkraft der Kohle sich weiterentwickelt hat.
Ausserdem sind das ÖZ — der grosse Konkurrent der Kohle — und
die Wasserkrait als Energiequellen rasch zu erstaunlicher Ent-
wicklung gekommen. Das gilt im besonderen für Nordamerika.
Das hier nur in flüchtigen Zügen gezeichnete Kraftfeld der Ver-
einigten Staaten und dessen Vergleich mit dem Deutschlands
gibt — so denken wir — genügend Beweiskraft für die Abwehr
oberflächlicher Vergleiche zwischen Deutschland und Nordamerika,
Der entscheidende Beweis für die Unterschiedlichkeit der beiden
Wirtschaften liegt aber in den Tatbeständen ihrer Wirtschafts-
geschichte.
Deutschland ist wirtschaltsgeschichtlich, im besonderen in
seinen westlichen Teilen, altes Kulturland. Hier haben sich aus der
Hauswirtschaft in jahrhundertelangem Ringen die Stadtwirt-
schaften, aus dieser Verlagssysteme und moderne Fabrikproduktion
entwickelt. Der deutsche Weg von der Naturalwirtschaft zur
Geldwirtschaft führt über ein Jahrtausend.
In den Vereinigten Staaten hat sich die Geldwirtschaft nicht aus
der Naturalwirtschaft entwickelt. Die wirtschaftlichen, sozialen
und politischen Ideen, im besonderen Englands und Frankreichs,
prallten im Ausgang des 18.Jahrhunderts mit der Naturalwirtschait,
der primitiven Nomadenwirtschaft der Ureinwohner Amerikas
plötzlich zusammen. Dabei siegte die europäische Form der Land-
und Weidewirtschaft zugleich mit den europäischen Handels-
methoden und den aus der französischen Revolution erwachsenen
Staatsideen. In diese neue Welt der übertragenen Formen und
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