zukreuzende Fahrschein der deutschen Strassenbahnen ist in
Amerika in der Regel durch einen kleinen Kassenautomaten ersetzt,
der dem Schaffner in die Hand passt. Der Schaffner hält dem
Fahrgast den kleinen Automaten entgegen, dieser steckt die 5 oder
10 Cents hinein, der Schaffner drückt auf einen Knopf, es ertönt
ein kleiner Glockenschlag, etwa wie beim Anschlagen einer Fahr-
radklingel — das Signal für die ehrliche Bezahlung durch den Fahr-
gast und für die ehrliche Quittung durch den Schaffner! Wir
fanden auch andere Systeme. So eines, das für den Zonentarif einer
Überlandschnellbahn eingerichtet war. An den Stirnwänden des
Wagens eine Preisuhr, der Zeiger ist mittels eines langen Stabes
im Wagen von jedem Platz aus zu bewegen. Man denke sich an
Stelle des Klingelriemens in unseren Strassenbahnwagen einen
Stab, der vom Schaffner um seine Achse gedreht wird, bis der
Zeiger an, der Preisuhr den entsprechenden Betrag, den der Fahr-
gast zahlt, jedem Mitfahrenden anzeigt.
Die New Yorker Untergrundbahn hat einen Einheitspreis —
5 Cents —, der Einwurf in den Drehautomaten verschafft den Ein-
tritt in den Bahnhof. Es gibt nur Wechselkassen. Der Austritt aus
den Bahnhöfen ist frei, respektive nur durch Türen zu erreichen,
die eine Rückkehr unmöglich machen.
Die Bedienung an den Post- und Eisenbahnschaltern ist im
Prinzip die gleiche wie bei uns, nur mit dem Unterschied, dass im
besonderen in den Postämtern jeder Beamte seinen Namen an das
Schalterfenster steckt. Der Amerikaner will wissen, mit wem er
es zu tun hat. Deswegen finden wir überdies auch in den ameri-
kanischen Banken die Namen der einzelnen Beamten vor ihren
Plätzen; dies geht bis zu den höchsten Angestellten und Beamten.
Man verlässt sich auf beiderseitiges anständiges Benehmen und
gegenseitige Rücksichtnahme. So ergibt sich auch hier ein Arbeits-
tempo, das physisch durchaus keine grössere Intensität verlangt,
als das bei uns üblich ist.
Über die Arbeitszeit wird im zweiten Abschnitt des Amerika-
berichtes ausführlich gesprochen. Es erübrigt sich deswegen, dass
hier des näheren darauf eingegangen wird. Vorweggenommen
SEl nur, dass der achtstündige Arbeitstag in Amerika wesentlich
weiter verbreitet ist als in Deutschland. Eine quantitative Steige-
rung des Arbeitseffektes auf dem Wege der langen Arbeitszeit ist
in den Vereinigten Staaten im allgemeinen nicht üblich. Das ändert
natürlich hichts daran, dass in so manchem Unternehmen, von der
chemischen Industrie bis zum Aufwaschbetrieb grosser Hotels und
auch an anderen Stellen, immer wieder versucht wird, aus dem
Arbeiter quantitative Maximalleistungen durch willkürliche Aus-
dehnung der Arbeitszeit herauszupressen. Aber ist das in Deutsch-
land nicht ebenso häufig der Fall?
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