Kap. II.
Bevölkerungszunahme und Verteilung.
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Nehmen wir jetzt an, die Bevölkerung nehme noch zu, aber zwischen
der ärmsten Qualität des benutzten Landes und der nächstfolgenden
sei der Unterschied so groß, daß die größere Kraft der Arbeit, die sich mit
der zunehmenden Bevölkerung, welche es unter Kultur bringt, einsindet,
denselben nicht zu kompensieren vermag, so wird der Ulinimalertrag
der Arbeit sinken, die Renten werden steigen und die Löhne fallen, nicht
nur im Verhältnis, sondern auch absolut. Aber wenn die Abnahme in
der Qualität des Landes nicht schroffer ist, als wir uns füglich vorstellen
dürfen und als es, wie ich glaube, je der Fall ist, so wird die Durchschnitts
produktion noch immer vermehrt werden, denn die erhöhte Leistungs
fähigkeit, die sich mit der zunehmenden Bevölkerung, welche aus das
geringere Land drängt, einstellt, teilt sich jeder Art von Arbeit mit,
und der Gewinn aus den höheren Vitalitäten des Landes wird für
die verminderte Produktion auf den zuletzt in Angriff genommenen
Qualitäten mehr als Ersatz bieten. Die gesamte Güterproduktion wird
im Vergleich zum gesamten Arbeitsauswande größer sein, obschon ihre
Verteilung ungleicher sein wird.
So bewirkt die Bevölkerungszunahme die Ausdehnung der Pro
duktion auf niedrigere natürliche Niveaus und damit eine Steigerung
der Rente und eine relative Perabsetzung des Lohns, während sie den
Tohn der Quantität nach (absolut) vermindern kann oder auch nicht;
dagegen kann sie selten oder nie die gesamte Güterproduktion im Ver
gleich zum gesamten Arbeitsaufwands vermindern, sondern steigert sie
Kit Gegenteil und zwar häufig bedeutend.
Während aber so die Bevölkerungszunahme die Rente durch Ver
engerung der Anbaugrenze erhöht, ist es ein Irrtum, dies als den einzigen
^Nodus anzusehen, wodurch die Rente steigt, je nachdem die Bevölke
rung zunimmt. Die zunehmende Bevölkerung steigert die Rente, ohne
die Anbaugrenze zu verengern, und steigert sie (trotz der Behauptungen
Ktm Schriftstellern wie McEulloch, welcher versichert, daß die Grund
rente nicht entstehen würde, wenn es eine unbegrenzte Menge gleich
3uten Landes gäbe) ohne Rücksicht aus die natürlichen (Qualitäten des
Landes, denn die erhöhten Kräfte des Zusammenwirkens und des Aus
tausches, welche sich mit der Bevölkerungszunahme einstellen, wiegen
erhöhte Bodenkraft auf, ja, wir können wohl ganz eigentlich sagen,
sie verleihen dem Boden eine größere Leistungsfähigkeit.
^Ich meine nicht bloß, daß die größere Leistungsfähigkeit, die sich
Zunahme derBevölkerung einstellt, der gleichenArbeit einen größeren,
höhere natürliche Kräfte des Bodens ausgleichenden Ertrag gibt, wie es
auch verbesserte Methoden oder Werkzeuge der Produktion tun, sondern
^^ch, daß sie der aus den Grund und Boden angewiesenen Arbeit
EUle größere Kraft verleiht, die nicht der Arbeit im allgemeinen, sondern
^ur der auf bestimmtes Land angewiesenen Arbeit innewohnt, und die
EM Lande ebenso anhaftet, wie jede andere Eigenschaft des Bodens,