der Grenze des Anbaukreises sitzt, wie Amonn mißzuverstehen
scheint: diese Annahme ist nur unter der weiteren Voraussetzung
gestattet, daß alle Bauern völlig gleiche Qualifikation haben; dann
freilich ist jeder auf der Grenze des Anbaukreises sitzende Bauer
auch ein Grenzbauer. Sondern unter dem Begriff „Grenzbauern“
versteht die neue Theoretik (Ricardo hatte alle Elemente des
Begriffs, aber den Terminus selbst noch nicht, der erst unter dem
Einfluß der Grenznutzenlehre aufgekommen ist) die am: ungünstig-
sten gestellten normalen Urproduzenten, deren Produkt der Markt
noch braucht und daher zu einem Preise abnehmen muß, der ihnen
über ihre Kosten hinaus (zu denen auch ihr eigener Arbeitslohn
gehört) in der kapitalistischen Gesellschaft noch den Kapitalprofit,
aber nicht eine Grundrente abwirft. Und der Grenzbauer
ist, wie Ricardo ausdrücklich erklärt hat, durchschnittlich
qualifiziert.
Das geht aus den Daten der Statik wieder als ein „rein
analytischer Satz“ mit vollkommener Sicherheit hervor. Denn die
Statik ist charakterisiert dadurch, daß der Konkurrenzkampf in
ihr seinen Gleichgewichtszustand erreicht hat. Das heißt, daß
wohl in der Kinetik einzelne Produzenten aus irgendwelchen Ur-
sachen einen Vorsprung im Preiskampf — und daraus ein zeit-
weilig höheres Einkommen — genießen; daß aber die Konkurrenz
sich sofort daran macht, ihnen diese Vorteile wieder abzujagen,
und nicht eher damit aufhört, als bis ihr das vollkommen ge-
glückt ist.
Halten wir uns an unserere Sonderfälle! In der Kinetik der
Volksvermehrung wächst der Getreidepreis; die bisherigen Grenz-
bauern, deren Kosten als gleichbleibend gesetzt werden, verdienen
infolgedessen eine Zeitlang mehr als Lohn und Kapitalprofit?), haben
eine vorübergehende Grundrente. Das ruft die Konkurrenz wach;
es werden marktfernere oder von Natur aus geringere Böden in
Angriff genommen oder auf schon bebauten Böden neue Zusatz-
kapitale investiert, bis der nunmehrige Grenzbauer mit seinem
Grenzkapital auf dem Grenzboden (all das hängt in der Statik
untrennbar zusammen) bei dem jetzt geltenden Getreidepreis wieder
nur Lohn und Profit, aber keine Grundrente erwirtschaftet. Im
Lohn ist auch hier wieder einbegriffen sein eigener Arbeits- oder
Unternehmerlohn, und der ist selbstverständlich per defini-
1) Wir drücken uns hier in den Kategorien der kapitalistischen Wirtschaft aus.
Lohn und Kapitalprofit der Grenzproduzenten zusammen sind in der Statik gleich Z.
53