16
lungseinstellung des großen Londoner Bankhauses Baring
Brothers bekannt wurde.
Nach der Baringkrisis wurde das spekulative Geschäft
am Amerikanermarkt in London etwas ruhiger, da ein
großer Teil amerikanischer Effekten nach New York zurück-
geströmt war. Die in London gemachten Umsätze beruhten
fast ausschließlich auf amerikanischen Ordres. Die eng-
lischen Kapitalien strömten auf den immer lebhafter wer-
denden Markt der Gold- und Diamantminen-Aktien, Deutsch-
land brauchte sein Geld für die industrielle Expansion der
neunziger Jahre, Frankreich aber litt noch unter den Nach-
wehen des Zusammenbruchs der Panamagesellschaft,
während _sich Hollands immer vorsichtige Spekulanten
zurückhielten, weil sie den Übergang der Union zur Silber-
währung fürchteten und überzeugt waren, daß die Fracht-
ratenkriege zwischen den einzelnen Eisenbahngesellschaften
and der nur zur Vernichtung der Konkurrenz unternommene
Bau von Parallellinien zu einem Niederbruch der meisten
Zisenbahngesellschaften führen würden. Anfang 1892 fiel
der Amerikanermarkt in London wegen der im November
stattfindenden Präsidentenwahl in eine Apathie, die auch
nach der Wahl Clevelands nicht wich, und es den Eisenbahn-
yesellschaften unmöglich machte, ihren Geldbedarf im In-
iande oder in Europa zu decken, Die erste Bahn, die in
Zwangsverwaltung kam, (20. Februar 1893) war die Phila-
Jelphia- und Reading-Linie, die ein großes Eisenbahnnetz
und zahlreiche Bergwerke besaß. Noch kurz vorher hatte
sie die Ausschüttung von 5% Dividemde auf ihre Vorzugs-
aktien angekündigt und hierdurch große Posten dieser
Aktien in England untergebracht.
Ihr Zusammenbruch führte neue Mengen amerikanischer
Effekten aus dem Besitz mißtrauisch gewordener europä-
ischer Kapitalisten auf den Markt, eine Bewegung, die
sich noch verstärkte, als am’ 4. Mai die Insolvenz der Na-
tional Cordage Company, die noch im Januar 100 % Divi-
dende verteilt hatte, bekannt wurde. 300 Mill. Dollar ameri-
kanischer Werte sollen allein im Jahre 1893 in die Union
zurückgeströmt sein, Dafür flossen große Mengen ameri-
kanischen Goldes nach Europa, von 1889—1893 mehr als
200 Millionen Dollar. Nachdem am 1. Mai 1893 sechs
Banken in New York ihre Zahlungen eingestellt hatten,
machten am 4. und 5. Mai sechs Brokerfirmen Bankrott.
[hnen folgten am 9. Mai drei Nationalbanken, etwas später
verschiedene industrielle und Eisenbahngesellschaften, „dar-
anter die folgenden, deren Anteile zum größten Teil in
Europa untergebracht waren: