Full text: Der russisch-japanische Krieg und die japanische Volkswirtschaft

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äußeren Politik zur Verhandlung gelangen sollen. Während vielleicht 
kurz vorher noch eine politische Partei sich iu scharfem Gegensatz zur 
Regierung gu befinden schien oder auch tatsächlich befand, tritt in dem 
selben Momente, wo es gilt, dem Ausland gegenüber als Japaner 
dazustehen, sofort das scharf ausgeprägte Nationalitätsbewnßtsein iu 
den Vordergrund, und alle kleinlichen inneren Spaltungen werden 
gänzlich iu den Hintergrund gedrängt. Diese Tatsache konnte man 
schon bei dem chinesisch-japanischen Kriege beobachten, nach Außen hin 
war Japan stets ein Staat, ein Wille. 
Ein anderer Umstand, der für die Betrachtung der japanischen 
Volkswirtschaft von hoher Bedentniig ist, liegt darin, daß Japan heute 
noch in überwiegendem Maße Agrarstaat ist und zudem gezwungen ist, 
einen beträchtlichen Teil seines Bedarfes an Lebensmitteln und in 
dustriellen Rohprodukten (Reis, Baumwolle etc.) aus dem Auslande 
beziehen zu müssen. Statt seinen Eigenbedarf zu decken, produziert 
Japan in erheblichem Maße feinere Produkte und Genußmittel, wie 
Seide lind Tee, für die es im Auslande stets lvillige Abnehmer findet. 
Wenn man unter diesem Gesichtswinkel den japanischeil Ausfuhrhandel 
betrachtet, so fiiidet man, daß derselbe in der Hauptsache aus land 
wirtschaftlichen lind sonstigen Urprodukteu besteht. Das Verhält 
nis dieser landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Außenhandel Japans 
zu den Manufakturprvdiikten bezifferte sich für das Jahr 1903 zu 
64,70/0 ans landwirtschaftliche und sonstige Nrprodukte, während nur 
35,3o/o auf industrielle Erzeugnisse entfielen. 
Obwohl also die Japaner sich vorwiegend agrarischer Beschäftigung 
hingeben, so hat sich doch im Laufe der Jahre ein immer stärkerer Zug 
der Bevölkerung vom Lande zur Stadt hin geltend gemacht und da 
durch mehr eine industrielle lind handelstechnische Tätigkeit zur Ent- 
ivicklung gebracht. Über die Bewegung des japanischen Landvolkes 
bringt die folgende amtliche Statistik die erforderlichen Belege. 
Jahr 
Einwohnerzahl der Städte 
und Landstädte von über 
10000 Einwohnern in 
Millionen. 
Jährliche Zu 
nahme per 10000 
Einwohnerzahl der Land 
städte unter 10000 Ein 
wohnern und alle Dörfer 
in Millionen. 
Jährliche Zu 
nahme per 10000 
1890 
5.5 
'— 
35.4 
— 
1891 
5.6 
27.8 
35.6 
4.1 
1892 
5.7 
19.5 
35.9 
8.9 
1893 
5.9 
27.6 
33.1 
5.7 
1894 
6.0 
26.7 
86.3 
5.8 
1895 
6.2 
20.4 
86.8 
13.5 
1896 
6.4 
32.0 
37.0 
6.8 
1897 
6.7 
56.5 
37.2 
3.1 
1898 
7.1 
53.8 
38.2 
28.4
	        
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