große Mengen von Mark bei stark weichenden Kursen gekauft,
weil sich jedermann sagte, daß Deutschland mit seiner arbeitsfreudigen
und disziplinierten Bevölkerung, seiner wohlausgerüsteten
und voranstrebenden Industrie und seiner bewährten
organisatorischen Kraft sich aus der politischen Katastrophe des
Krieges verhältnismäßig schnell erholen werde, und daß der Sturz
der deutschen Währung nur eine vorübergehende Erscheinung sei,
So waren allmählich gewaltige Beträge von Reichsmark in die
Hände des amerikanischen Volkes übergegangen, Nach den großen
Schwankungen des Markkurses im Jahre 1920 war zunächst eine
gewisse Stabilität eingetreten, die der Anbahnung von Geschäften
mit Deutschland wesentlich zugute kam, Der formelle Friedensschluß
zwischen den beiden Staaten im August 1921 ließ erwarten,
daß ihre geschäftlichen Beziehungen bald lebhaft werden
würden. Diese Aussicht war für Amerika um so willkommener,
als damals infolge der Depression des Geschäftslebens in der
Nachkriegszeit gerade in den Vereinigten Staaten Arbeitslosigkeit,
Rückgang der Warenpreise und damit verbundene erhebliche
Verluste im Geschäftsleben sich besonders fühlbar machten.
Ein starkes spekulatives Interesse an der Reichsmark bestand
allerdings in New York selbst nicht mehr, weil die Enttäuschungen
in der Reparationsfrage zur Vorsicht mahnten, Immerhin fand
noch ein großes Geschäft in Reichsmark für südamerikanische
Rechnung statt, Massenweise erhielt New York Verkaufsaufträge
für Reichsmark, zum größten Teil über Amsterdam. Daraus entstand
in amerikanischen Bankkreisen fast überall die Meinung,
daß die Reichsbank selber durch ihre holländischen Beziehungen
im größten Maßstabe Mark verkaufe, und daß in diesen Verkäufen
die Ursache des erneuten Rückganges der Mark zu suchen sei.
Einsichtige Leute fanden das bedauerlich, aber erklärlich, weil
anscheinend nur auf diese Weise die Abtragung der ersten
Milliarde Goldmark unter dem Londoner Zahlungsplan möglich
war, Die Tagespresse aber und viele Geschäftskreise vertraten die
Ansicht, daß der rücksichtslose Verkauf der Reichsmark auf eine
ganz bestimmte Politik zurückzuführen sei. Vielfach hörte ich
scharfe Kritik darüber, daß die deutsche Regierung fortgesetzt
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