Full text: Der Weg der Reparation

Verlangt wurde ferner, daß die Steuersätze sich automatisch in 
dem Verhältnis erhöhten, in welchem die Verschuldung der 
deutschen Regierung bei der Reichsbank oder die Entwertung der 
Mark zunehme. Die nach diesem Programm zu schaffenden 
deutschen Steuergesetze sollten zwischen der deutschen Regierung 
und dem Garantiekomitee der Reparationskommission im einzelnen 
beraten werden, Das Garantiekomitee sollte eine ausgedehnte 
Kontrolle der deutschen Finanzen ausüben und das Recht er- 
halten, Vorschläge für die Abstellung von Mängeln in der Hand- 
habung des Haushalts zu machen. 
Das ganze Schreiben war auf einen scharfen Ton gestimmt. 
Für den bisher gezeigten guten Willen der deutschen Regierung 
und ihre Anstrengungen, der Reparationspflicht nachzukommen, 
gab es nicht ein Wort der Anerkennung, Der gewährte sachliche 
Aufschub wurde durch harte Kritik und Drohung vollständig 
wertlos gemacht. Daher fand die Entscheidung der Kommission 
die denkbar schlechteste Aufnahme in Deutschland. 
Am 30, März 1922 gab Dr. Wirth vor dem Reichstage eine 
ausführliche Erklärung ab, in der er mit auffallender Schärfe 
gegen die Reparationskommission auftrat. Das Verlangen, neue 
Steuern in Höhe von 60 Milliarden Papiermark zu schaffen, wies 
er als eine völlig unmögliche Zumutung ab: Die Reparations- 
kommission habe damit vor der ganzen Welt bewiesen, daß wirt- 
schaftliche Darlegungen der deutschen Regierung, so ernst und 
gewissenhaft sie auch seien, keinerlei Eindruck auf die Kom- 
mission machten, Zur Frage der Kontrolle erklärte der Reichs- 
kanzler: „Gegen das Prinzip muß ich schon heute im Namen der 
Reichsregierung schärfste Verwahrung einlegen. Auch erachte ich 
es mit dem Selbstbestimmungsrecht eines Volkes und mit der Ehre 
einer großen Nation für unvereinbar, daß man ihr fremde Organe 
zur Ueberwachung der einzelnen Zweige bestimmter ziviler Ver- 
waltungen beigibt, Wir haben auf dem Gebiete der Kontroll- 
kommissionen schon so trübe Erfahrungen hinter uns, daß es 
niemand bei uns verstehen würde, wenn dieses schikanöse, kost- 
spielige, gänzlich unproduktive System auch auf die deutsche 
Zivilverwaltung ausgedehnt würde.” 
154
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.