Full text: Der Weg der Reparation

Pflicht zur Lieferung von Holz und Kohle nicht nachkommen 
würde, Dieser Vorschlag fand bei Poincare keine Gnade. 
Die englische Regierung suchte noch immer nach einem Aus- 
wege, Nachdem ich aber im Auftrage der deutschen Regierung bei 
einer vertraulichen Aussprache in London bestimmt erklärt hatte, 
daß Deutschland unter keinen Umständen einen alliierten Zugriff 
auf die staatliche Verwaltung der Bergwerke und Forsten be- 
willigen würde, gab sie die weiteren Bemühungen, mit Poincare zu 
einer Einigung zu kommen, als nutzlos auf, Die Konferenz von 
London wurde am 14, August ohne Ergebnis abgebrochen. 
Nunmehr war das Spiel von selbst wieder in die Hand der 
Reparationskommission gegeben, Mit den unnützen Besprechungen 
zwischen den alliierten Chefs hatte man einen kostbaren Monat 
verloren, Der Dollarkurs war mittlerweile von 500 auf 1000 Mark 
gestiegen, Im Schoße der Kommission wußte man nach wie vor 
keinen Rat, Bei der ablehnenden Haltung Frankreichs war ein 
Moratorium für Deutschland nicht zu erlangen, Irgendwie mußte 
man aber doch versuchen, mit der Tatsache fertig zu werden, daß 
Deutschland für den Rest des Jahres weitere Barzahlungen nicht 
würde leisten können. Die Kommission griff zunächst zu dem ver- 
zweifelten Notbehelf, die Entscheidung damit hinauszuschieben, 
daß sie Sir John Bradbury und den Präsidenten des Garantie- 
komitees Mauclere am 18, August nach Berlin mit dem Auftrage 
entsandte, von der deutschen Regierung einige „unerläßliche Aus- 
künfte” einzuziehen, Der Besuch der beiden Herren wurde in Berlin 
mit einer gewissen Hoffnung aufgenommen. Man glaubte, durch 
eine Aussprache mit ihnen die Lösung des Reparationsproblems 
anbahnen zu können, Sie erklärten aber sogleich bei ihrem Ein- 
treffen, daß sie hierzu keinerlei Auftrag hätten, sondern daß sie 
nur versuchen wollten, die Schwierigkeiten der Barzahlungen des 
Jahres 1922 beizulegen, Beide gaben sich alle Mühe, die Formel 
der produktiven Pfänder für Deutschland schmackhaft zu machen 
und in irgendeiner Art dem Verlangen Poincares dadurch Rech- 
nung zu tragen, daß die staatlichen Forsten und Kohlengruben 
direkt oder indirekt als Unterpfand für Holz- und Kohlen- 
lieferungen Deutschlands herangezogen würden, Die deutsche 
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