Leistung herangingen. Deshalb durfte sie sich nicht dazu hergeben,
die Kohlenfrage auf einmal als Vorwand zu benutzen, um
die militärische Besetzung des wichtigsten deutschen Industriegebietes
zu rechtfertigen. Alle Mitglieder der Reparationskommission
ohne Ausnahme waren sich auch darüber klar, daß
die Besetzung ein politisches Zwangsmittel war und zu einer
wirtschaftlichen Katastrophe‘ führen mußte, Gerade die Reparationskommission
war durch den Vertrag von Versailles dazu
berufen, die wirtschaftliche Gesundheit Deutschlands zu wahren,
damit es in der Lage blieb, Reparation zu leisten. Sie wußte
genau, was auf dem Spiel stand, als sie die Schuld Deutschlands
in der Kohlenfrage feststellte, Sie erniedrigte sich damit von einer
wirtschaftlich unabhängigen Behörde zu einem politischen Werkzeug
der französischen Regierung. Der britische Delegierte war
das einzige Mitglied der Kommission, das offen gegen die Entscheidung
Stellung nahm,
Mehrere andere Mitglieder der Kommission standen dabei
sicherlich in einem schweren Gewissenskampf. Sie mußten unter
politischem Druck so handeln, wie es ihre Regierung verlangte,
um die guten Beziehungen mit dem mächtigen Frankreich aufrechtzuerhalten,
Schon am 11, Januar 1923 rückten französische und belgische
Truppen in das Ruhrgebiet ein, Der Einmarsch wurde der
deutschen Regierung durch gleichlautende Noten Frankreichs
und Belgiens mitgeteilt, Es hieß darin:
Wegen der Verfehlung Deutschland in der Holz- und Kohlenfrage
sei beschlossen worden, eine Kontrollkommission von
Ingenieuren in das Ruhrgebiet zu entsenden, um die Tätigkeit des
Kohlensyndikats zu überwachen, die strikte Durchführung des
Lieferungsprogramms zu sichern und alle für die Bezahlung
der Reparation erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, Die
italienische Regierung habe gleichfalls beschlossen, sich durch
Entsendung von Ingenieuren an der Mission zu beteiligen. Die
Alliierten “hätten im Augenblick nicht die Absicht, zu einer
militärischen Operation oder zu einer Besetzung politischer
Art zu schreiten, Sie ließen nur die zum Schutze der Mission
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