VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL
VERGEBLICHE DEUTSCHE AN GEBOTE,
VERGEBLICHE ENGLISCHE VERMITTELUNG
Am 2, Mai 1923 sandte die deutsche Regierung eine Note mit
einem neuen Angebot an die Hauptmächte der Alliierten und an
die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, Die Wirkung
war verhängnisvoll,
Um das Angebot zu begreifen, muß man die Geschichte seiner
Entstehung kennen, Die Absicht war, als Gesamtleistung Deutsch-
lands unter dem Vertrage von Versailles den Betrag von 30
Milliarden Goldmark anzubieten, der durch mehrere internatio-
nale Anleihen und durch Sachleistungen aufgebracht werden
sollte, Eine große Anleihe von 20 Milliarden sollte möglichst
sogleich zur Ausgabe kommen, Ihre Zinsen für die ersten vier
Jahre waren einstweilen aus dem Kapital zu nehmen, damit
Deutschland eine Schonzeit für Geldzahlungen erhielt. Ueber die
Nachzahlung der Zinsen und über die Begebung der späteren
Anleihen sollte ein unparteiisches Schiedsgericht entscheiden,
Falls die Alliierten das Angebot für zu niedrig erachteten, sollte
gemäß dem Vorschlag, den der amerikanische Staatssekretär
Hughes in einer Rede in Newhaven am 29, Dezember 1922 ge-
macht hatte, ein Komitee von internationalen Sachverständigen
die Leistungsfähigkeit Deutschlands für Reparationszahlungen
festsetzen, Als Garantien waren in Aussicht genommen:
1, für die Sachlieferungen langfristige Lieferungsverträge
der deutschen Industrie,
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