Full text: Der Weg der Reparation

wenigstens bis zum 30. April 1920 voraussichtlich nicht mehr als 
1660000 Tonnen im Monat an die Alliierten zu liefern waren, 
während bei voller Ausnützung der Vorschriften des Vertrages 
die Alliierten monatlich bis zu 3% Millionen Tonnen hätten 
fordern können, Uebrigens konnte man im August 1919 nicht 
voraussehen, daß sich die Ratifikation des Versailler Vertrages so 
lange hinziehen würde. Es war daher im deutschen Interesse 
ganz vernünftig, mit den Lieferungen beizeiten anzufangen, um 
nicht eines Tages von unerfüllbaren Anforderungen überrascht 
zu werden, 
Dank der sachverständigen Mitarbeit des deutschen Kohlen- 
syndikats, dessen Direktor Luebsen an den Verhandlungen mit 
den Alliierten hervorragend beteiligt war, kamen die Kohlen- 
lieferungen mit dem 1, September 1919 in Fluß. Sie stiegen bald 
auf etwa 700000 Tonnen im Monat und beliefen sich bis zum 
10, Januar 1920 im ganzen auf mehr als 2% Millionen Tonnen, 
Da der Kohlenbedarf Frankreichs aber auch mit diesen erheb- 
lichen Mengen nicht voll gedeckt werden konnte, so hörten die 
Beschwerden über zu geringe deutsche Lieferungen nicht auf, Bei 
einer Besprechung in Essen im Dezember 1919 wurde eine monat- 
liche Lieferung von 1 Million Tonnen vereinbart. Diese Ziffer 
wurde jedoch im Januar wegen Streiks und Hochwassers im Rhein 
bei weitem nicht erreicht, 
Nach dem Inkrafttreten des Friedensvertrages teilte die 
Reparationskommission. der deutschen Regierung mit, daß die 
Kohlenlieferungen einstweilen gemäß dem Protokoll vom 
29, August 1919 weiter laufen sollten. Bereits am 10, Februar 
1920 aber setzte die Kommission die monatlichen Mengen 
nach Anrechnung der geleisteten Vorlieferungen auf 2234000 
Tonnen fest, Zu gleicher Zeit wurde Deutschland benachrichtigt, 
daß aus der Kohlenförderung von Oberschlesien, das bis zur 
Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder 
Polen unter der Kontrolle der Internationalen Oberschlesischen 
Abstimmungskommission stand, monatlich 200000 Tonnen an 
Oesterreich, 250.000 Tonnen an Polen und 20 000, später 40 000 
Tonnen an Italien zu liefern seien, und daß Deutschland aus 
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