Full text: Der Weg der Reparation

hat sehr viel dazu getan, das Ansehen der Kommission herab- 
zusetzen und den Anschein zu erwecken, daß sie mehr oder 
weniger ein politisches Werkzeug in den Händen der alliierten 
Mächte sei, In dem Kreise der Reparationskommission ist man 
sich darüber sicherlich klar gewesen, Ihre Mitglieder haben auch 
nicht alle einfach die Hände in den Schoß gelegt. Einige von 
ihnen haben sich ernstlich bemüht, die Entwicklung der Repa- 
rationsfrage in geordnete Bahnen zu leiten und die einmal fest- 
gesetzte Konferenz von Spa in steter Fühlung mit der deutschen 
Vertretung in Paris sachverständig vorzubereiten, 
Ich habe gerade in jener Zeit oft und eingehend mit den 
meisten Mitgliedern der Kommission über die Lage gesprochen, 
Sie glaubten nicht daran, daß in Spa für die Reparation etwas 
Praktisches herauskommen würde, Die Mehrzahl wünschte mög- 
lichst bald einen Pauschalbetrag festzusetzen, der die gesamte 
Schuld Deutschlands darstellen sollte, Die öffentliche Meinung 
Frankreichs, beherrscht durch die Richtung Foch-Poincare, stand 
dem jedoch im Wege, Immerhin hoffte man in der Reparations- 
kommission, daß es mit der Zeit und mit Hilfe gründlicher Aus- 
sprache gelingen würde, den französischen Standpunkt zu ändern. 
Ich wurde vertraulich aufgefordert, mit deutschen Vorschlägen 
für die Regelung der Reparation zu kommen. Auf die Frage, ob 
wir uns denn in Deutschland überhaupt schon ein ziffernmäßiges 
Bild über ein Angebot gemacht hätten, habe ich damals erklärt, 
daß man hie und da überlegt habe, ob Deutschland für die Repa- 
ration eine Jahreszahlung von einer Milliarde Goldmark auf 
30 Jahre aufbringen könne, Darauf wurde mir erklärt, ein solches 
Angebot dürfe gar nicht laut werden, es würde nur allgemeine 
Entrüstung erregen und einer verständigen Behandlung der Dinge 
schaden, Tatsächlich wurde damals von Deutschland ein solches 
Angebot für Spa vorbereitet, Glücklicherweise kam es zur 
Nennung von bestimmten Ziffern in Spa nicht, Es war klar, daß 
damals die Kommission nicht daran dachte, die Lösung des 
Finanzproblems aus der Hand zu geben und dem Obersten Rat 
der Alliierten zu überlassen. Sie erwartete vielmehr, daß die 
Konferenz von Spa dazu helfen würde, eine direkte Fühlung und 
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