ein besseres Verhältnis mit der deutschen Regierung herzustellen,
ohne an den Aufgaben der Reparationskommission etwas Wesent-
liches zu ändern, In Deutschland war man freilich stets gern
bereit, die Kommission beiseite zu schieben und in Reparations-
fragen unmittelbar mit den alliierten Regierungen zu verhandeln.
Ich selbst habe stets vor dieser Politik gewarnt, weil die Alliierten
letzten Endes ihre Beschlüsse doch immer nur im Einvernehmen
mit der Reparationskommission fassen würden und die eigentliche
Arbeit in der Reparation nicht von den politischen Chefs, sondern
von den sachverständigen Mitgliedern der Reparationskommission
geleistet werden müsse, Daher sei es zwecklos und überdies
unklug, die Kommission durch Nichtachtung zu kränken, Die
Erfahrungen der Folgezeit haben mir leider nur allzu sehr Recht
gegeben,
Eine gemeinsame vertrauliche Unterredung, die Dr. Carl
Melchior und ich am 9, Juni 1920 mit mehreren Mitgliedern der
Reparationskommission hatten, ergab, daß ein deutsches Angebot
in Spa wohl nötig sei, aber mit Vorsicht behandelt werden
müsse, Man sagte uns: Würden die deutschen Vertreter in Spa
erklären, daß infolge der zerrütteten politischen und wirtschaft-
lichen Lage Deutschlands zur Zeit kein Angebot gemacht werden
könne, so bestehe die Gefahr, daß Deutschland erneut in den
Verdacht der Hinterhältigkeit und der passiven Resistenz
gerate, Dadurch würden die extremen nationalistischen Kreise,
besonders in Frankreich und England, gestärkt werden, Ein
formuliertes Angebot der deutschen Vertreter müsse sich anderer-
seits in den Grenzen der voraussichtlichen deutschen Leistungs-
fähigkeit halten, Die Zahlen des Angebots würden sich sicher
so weit von den Ziffern entfernen, die man in Frankreich und
England stets proklamiert habe, daß mit einer brüsken Zurück-
weisung und mit einer Zuspitzung der Lage zu rechnen sei. Viel-
leicht könne ein Ausweg darin liegen, daß man deutscherseits ein
bestimmtes Mindestangebot mache, für den Fall der Besserung
der Verhältnisse in Deutschland aber die Leistungen erhöhe.
So entstand die Idee des „Besserungsscheins‘, Es wurde aus-
führlich besprochen; wie man einen Schlüssel für die Beteiligung
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