über die Zahlungsfähigkeit Deutschlands, über die Steuerbelastung
in Deutschland und ein ausführliches Gutachten deutscher Sach-
verständiger über die Wirtschaftslage.
Deutschland war in Spa vertreten durch den Reichskanzler
Fehrenbach, den Minister des Auswärtigen Dr, Simons und eine
Reihe weiterer Minister, sowie durch zahlreiche wirtschaftliche und
finanzielle Sachverständige, Die Konferenz fand unter dem Vorsitz
des belgischen Ministerpräsidenten Delacroix statt, Von den
Alliierten beteiligten sich Belgien, England, Frankreich, Italien
und Japan, In der Tagesordnung wurde die militärische Abrüstung
und die Aburteilung der sogenannten Kriegsschuldigen voran-
gestellt, Es läßt sich denken, daß dieses Programm die Stimmung
für die Aussprache über die wirtschaftlichen Fragen nicht gerade
verbesserte,
Die deutsche Delegation war in ihrem Quartier oberhalb Spa
vollkommen isoliert, Sie traf mit den alliierten Vertretern nur im
Konferenzsaal zusammen und wurde mit eisiger Kälte behandelt.
Vier Tage lang erörterte man in immer steigender Erregung die
Entwaffnungsfragen, bis endlich ein Protokoll zustande kam, wo-
nach die Alliierten die Fristen des Vertrages für die Herabsetzung
des deutschen Heeres auf 100000 Mann bis zum 1. Januar 1921
verlängerten, aber für etwaige Verstöße gegen die militärischen
Vorschriften die Besetzung der Ruhr oder anderer deutscher Ge-
biete als Sanktion androhten, Das führte zu einer leidenschaft-
lichen Kontroverse über das Recht der Allüerten, solche im Ver-
sailler Vertrage nicht vorgesehenen militärischen Maßnahmen zu
ergreifen,
In der Frage der Kriegsschuldigen einigte man sich schnell auf
die Zeichnung eines ziemlich harmlosen Protokolls. Dann kam es
endlich unter allgemeiner Spannung zur Aussprache über die
Kohlenfrage,
Die deutschen Vertreter wurden aufgefordert, sich über die
Gründe der mangelhaften Kohlenlieferung zu äußern, Diese wenig
beneidenswerte Aufgabe fiel mir zu. Nach meiner kurzen Dar-
legung brach der Sturm in Gestalt einer temperamentvollen Rede
des französischen Ministerpräsidenten Millerand los, Aus Anlaß
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