Full text: Der Weg der Reparation

gebiets angedroht, In privater Besprechung mit Dr. Simons ließ 
Lloyd George keinen Zweifel darüber, daß im Falle der deutschen 
Weigerung die alliierten Heere in das Ruhrgebiet einmarschieren 
würden, Bei den inneren Kämpfen, die sich daraus in der deutschen 
Delegation entwickelten, verfocht ein Teil der Sachverständigen 
unter Stinnes die Meinung, daß es richtig sei, es auf die Besetzung 
des Ruhrgebietes ankommen zu lassen, weil die Alliierten späte- 
stens nach einigen Monaten unverrichteter Sache wieder abziehen 
würden, Demgegenüber drang aber die Ansicht durch, es sei 
unverantwortlich, die unbesetzten Teile Deutschlands im kommen- 
den Winter dem Hunger, der Kohlennot und damit der Gefahr 
des politischen Zerfalls auszusetzen, während es im Ruhrgebiet 
selbst unter der Herrschaft der Alliierten um die Versorgung mit 
Lebensmitteln und Kohle wahrscheinlich gar nicht so schlecht 
bestellt sein würde. Inmitten einer unbeschreiblichen Aufregung 
wurde dann am 16, Juli ein Kohlenprotokoll gezeichnet. Noch die 
letzte Stunde war kritisch, weil die Deutschen sich hartnäckig 
weigerten, einen Passus zu unterschreiben, der besagte, daß bei 
ungenügender Kohlenlieferung die Alliierten das Ruhrgebiet be- 
setzen würden, Schließlich einigte man sich dahin, daß die 
deutschen Vertreter bei ihrer Unterschrift wegen dieser Be- 
stimmung einen Vorbehalt machten, 
In dem Protokoll von Spa verpflichtete sich Deutschland, vom 
1. August 1920 ab auf sechs Monate den Alliierten monatlich 
zwei Millionen Tonnen Kohle zur Verfügung zu stellen, Für die 
Kohle war der deutsche Inlandpreis auf Reparationskonto gut- 
zuschreiben, ferner aber auf jede Tonne eine besondere Prämie 
von fünf Goldmark in bar zur Anschaffung von Lebensmitteln für 
die deutschen Bergleute zu zahlen. Hiervon ausgenommen blieben 
die Lieferungen über See, die sich auch weiterhin nach den Vor- 
schriften. des Vertrages richteten, Die Verteilung der oberschle- 
sischen Kohle, die in Spa eine erhebliche Rolle gespielt hatte, 
sollte durch eine besondere Kommission entschieden werden. 
Ebenso sollte eine Kommission in Essen untersuchen, wie die Lage 
der Bergleute in Nahrung und Kleidung verbessert werden könnte. 
Das Wichtigste aber war, daß die Alliierten sich bereit erklärten, 
63
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.