Full text: Der Weg der Reparation

treten wurde, Nach dem Sturz des Kabinetts Leygues hatte der 
neue Ministerpräsident Briand sich von der Kammer ermächtigen 
lassen, im Obersten Rat lediglich eine provisorische Regelung 
auf fünf oder möglichst nur auf drei Jahre zu vertreten, Die Fest- 
setzung einer Gesamtsumme für die Reparation (forfait) wurde 
hierbei ausdrücklich abgelehnt, weil sie den Interessen Frank- 
reichs widerspreche, 
In der Konferenz aber kam es ganz anders, Der französische 
Finanzminister Doumer hielt eine merkwürdige Rede, in der er 
von einer Schuld Deutschlands von 212 Milliarden Goldmark 
ausging und Annuitäten von 12 Milliarden Goldmark verlangte, 
Das richtete in den Köpfen der Teilnehmer allgemeine Verwirrung 
an, Heftige Auseinandersetzungen zwischen Engländern und 
Franzosen folgten, Es scheint, daß Lloyd George von der allseitig 
angenommenen Idee des Provisoriums ganz plötzlich abgesprungen 
ist und daß er dabei auch von Loucheur, der neuerdings wieder 
als Minister in das französische Kabinett eingetreten war, unter- 
stützt wurde, Die belgischen Delegierten Theunis und Jaspar 
führten schließlich eine Einigung zwischen den streitenden Alli- 
jerten herbei, Aber auch sie standen den Dingen nicht objektiv 
gegenüber, denn sie waren verärgert zur Konferenz gekommen, 
weil soeben ihre Verhandlungen mit Deutschland über den Rück- 
kauf der von den Deutschen im Kriege nach Belgien gebrachten 
Markbeträge fruchtlos verlaufen waren, 
Das Ergebnis dieser seltsamen Konferenz waren die soge- 
nannten Pariser Beschlüsse vom 29, Januar 1921, Auch hierbei 
wurden, wie üblich, die Reparationsforderungen von politischen 
Drohungen wegen Nichterfüllung militärischer Vorschriften des 
Vertrages eingerahmt, Die Pariser Beschlüsse verlangten von 
Deutschland vom 1, Mai 1921 an folgende Jahresleistungen: 
2 Milliarden Goldmark für die nächsten 2 Jahre, 
3 Milliarden Goldmark für weitere 3 Jahre, 
4 Milliarden Goldmark für weitere 3 Jahre, 
5 Milliarden Goldmark für weitere 3 Jahre, 
6 Milliarden Goldmark für weitere 31 Jahre, 
ferner für die gesamten 42 Jahre eine jährliche Abgabe in Höhe 
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