Größe d. Güterwertes bei versch. Gebrauchsarten. Subj. Tauschwert. Geld 99
So ist es begreiflich, daß die völlige Unfruchtbarkeit der österreichischen
Theorie sich am krassesten in der Frage des Geldes
äußert.
„Das vielseitigste Gut — sagt Wieser — ist indes das
Geld... An keinem anderen Gute kann man eine so deutliche
Vorstellung von der Idee des Grenznutzens gewinnen...“ (Fr. v.
Wieser: „Der natürliche Wert‘, Wien 1889, S. 13). Diese
Behauptung eines der hervorragendsten Theoretiker des Grenznutzens
klingt ziemlich ironisch, wenn man sie mit den Ergebnissen
vergleicht, die von der neuen Schule auf diesem Gebiete
erreicht worden sind. Wie bekannt, unterscheidet sich das Geld
von allen anderen Waren dadurch, daß es ein allgemeines Aequivalent
der Waren bildet. Gerade diese seine Eigenschaft, der zufolge
es den abstrakten Tauschwert allgemein auszudrücken vermag,
erschwert seine Analyse vom Standpunkte des Grenznutzens
in ganz besonderem Maße*®. In Wirklichkeit betrachtet der
Agent der modernen kapitalistischen Wirtschaftsordnung das Geld
bei allerhand Tauschgeschäften ausschließlich nur vom Gesichtspunkte
seiner „Kaufkraft‘“, d. h. seines ob jektiven Tauschwertes.
Keinem einzigen „Wirtschaftssubjekt‘“ wird es einfallen,
seine Barmittel an Gold vom Gesichtspunkte der Fähigkeit des
Goldes, „das Bedürfnis an Schmuck“ zu befriedigen, zu schätzen.
Bei dem doppelten Gebrauchswert des Geldes’, nämlich als
Ware und als Geld, fußt seine Schätzung gerade auf dieser
letzten Funktion. Wenn man bei der Analyse des Wertes der gewöhnlichen
Ware das Vorhandensein von gesellschaftlichen Zusammenhängen
konstatieren kann, die jede individualistische
Deutung der Wirtschaftserscheinungen ausschließen (siehe oben
die Analyse der Lehre vom Substitutionsnutzen), so erreichen
diese gesellschaftlichen Zusammenhänge beim Gelde ihren vollständigsten
Ausdruck. Das Geld erscheint nämlich als dasjenige
„Gut‘“, dessen subjektive Wertschätzung nach der Terminologie
der österreichischen Schule der subjektive Tauschwert ist.
subjektive Schätzung der Beschaffenheit des Gutes das mehr Untergeordnete
zu sein‘ (Prof. W. Scharling, 1. c. S. 29).
% Es ist interessant, daß K. Menger in seinem umfangreichen Artikel,
der speziell sich mit dem Gelde befaßt (siehe „Geld‘ im Handwörterbuch der
Staatswissenschaften, Bd. 4), so gut wie gar keine theoretische Analyse
des Geldes gibt.
” „Der Gebrauchswert der Geldware verdoppelt sich. Neben ihrem besonderen
Gebrauchswert als Ware, wie Gold zum Beispiel zum Ausstopfen hohler
Zähne, Rohmaterial von Luxusartikeln usw. dient, erhält sie einen formalen
Gebrauchswert, der aus ihren spezifischen gesellschaftlichen Funktionen entspringt“
(Karl Marx: „Kapital“, Bd. I, S. 56).