“ Internationale Rundschau der Arbeit
zu Grunde gelegten Zeit geht sie im Jahre 1920 zurück auf 16,7 vH
und auf 13,7 vH im Jahre 1921. Für Deutschland betrug der Anteil
1909—1913: 12,1 vH, 1917 nur noch 7,9 vH und 1920: 7,5 vH,
um dann 1921 auf 10,6 vH zu steigen.
2. Unterkunftsverhältnisse. — Aus den gesammelten Unter-
lagen geht hervor, daß diese Krise in der ganzen Welt um die Zeit,
als die Erhebung stattfand, eine allgemeine war. Sie war außer-
ordentlich stark im Orient und in bestimmten mitteleuropäischen
Ländern; auch in Westeuropa machte sie sich sehr stark be-
merkbar.
Aus den Antworten geht als grundlegendes Merkmal hervor,
daß überall eine Wohnungskrise, ein Wohnungsmangel besteht.
Dieser drückt sich aus in einer Steigerung der Mieten, in Über-
füllung und in der Zuhilfenahme minderwertiger Wohnungsarten,
wie auch solcher, die geradezu menschenunwürdig sind. In einigen
der beschafften Unterlagen werden als überaltert und mangelhaft
die jetzt vorhandenen Wohngelegenheiten, Baracken und Schul-
gebäude genannt, wie in Deutschland, Frankreich, Dänemark,
dunkle Küchen, eingebaute Höfe, Trockenböden, Ställe, Keller,
Wagenremisen, Lehmhäuser (Deutschland, Tschechoslowakei), in
die Erde eingegrabene Hütten oder Waggons in den Rangierbahn-
höfen (Polen).
Aus etlichen Berichten auch geht hervor, daß die Wohnungsnot
den Arbeitern die Annahme von Beschäftigung in anderen Orten,
wo Kräfte gebraucht werden, ungeheuer erschwert oder gar un-
möglich macht. Hier und da sieht man in dieser Schwierigkeit
ein besonderes Hindernis für die Entwickelung mancher Industrie.
Die „Housing Corporation“ in den Vereinigten Staaten bezeichnet
die Wohnungsnot als besondere Ursache der hohen Kosten und
Zeitverluste bei langen Wegen zur Arbeit, die wiederum schädlich
auf die Produktion einwirken. In der gleichen Linie liegt die
Behinderung der Sitzverlegung von Industrieanlagen aus Woh-
nungsmangel (Österreich, Tschechoslowakei, Vereinigte Staaten).
Manche Behörden und Verbände weisen auch darauf hin, daß die
Übervölkerung und die gesamten anormalen Wohnungsverhält-
nisse zum Rückgange des öffentlichen Gesundheitsstandes bei-
tragen. Daraus ergibt sich die enge Verbindung zwischen der
Wohnungskrise und der Produktionskrise, soweit nämlich diese
durch den Rückgang der lebendigen Kräfte der Arbeiterklasse
beeinflußt ist (Deutschland, Österreich, Italien, Vereinigte Staaten).
Zu den Feststellungen dieser Art gehört auch die von einer Organi-
sation gemachte Bemerkung, daß der Wohnungsmangel die Arbeiter
zwingt, lange und ermüdende Wege zur Arbeitsstelle zurückzu-
legen (Polen). Es handelt sich hier also um Überanstrengung,
übermäßigen Kräfteverbrauch und um einen Rückgang der
Leistungsfähigkeit.
Es wurde schon betont, daß diese Wohnungskrise in allen
Ländern in die Erscheinung tritt oder trat, in den meisten Ländern
sogar in sehr drückender Weise. Immerhin darf man auf Grund
des vorliegenden Materiales sagen, daß sie besonders schwer in
den kriegführenden Ländern auftrat. Dieser Eindruck wird durch
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