Full text: Erhebung über die Produktion

Erhebung über die Produktion 17 
Betriebe einerseits und ihren Bedürfnissen andererseits, die durch 
die verschiedenen Kostenelemente der Produktion bedingt sind: 
technische Ausrüstung, Rohstoffe, Arbeitskräfte usw. Während 
nun die Preise dieser Elemente manchmal ganz gewaltig gestiegen 
sind, insbesondere infolge der Entwertung der Währung des betr. 
Landes auf dem inneren Markte und ihrer noch stärkeren Ent- 
wertung auf dem Weltmarkte, vermehrten sich die dem gleichen 
Betriebe zur Verfügung stehenden Geldmittel nur in viel ge- 
ringerem Maße. 
Die Geldkrise wie auch die Währungskrise erzeugen jedoch 
in der Industrie nicht nur Schwierigkeiten durch die oft sehr 
plötzliche Verteuerung ihrer Produktionsmittel und das dadurch 
verstärkte Mißverhältnis zwischen vorhandenem und benötigtem 
Kapital; sie erhalten und verstärken vielmehr diese Krise, indem 
sie das Anlage suchende Kapital abstoßen und in andere Bahnen 
drängen. Die fortwährende Entwertung des Geldes hält die 
verfügbaren Kapitalien von Anlagen mit festem Ertrage ab, 
d. h. also von Anleiheoperationen, die infolge der Zinsen und Rück- 
zahlungen in entwertetem Gelde die Gefahr eines Verlustes für 
den Darlehnsgeber in sich schließen. Die anderen Arten der 
Kapitalanlage in der Industrie, z. B. durch Aktienerwerb, sind 
behindert durch den ungesunden Wettbewerb der Handels- und 
Finanzspekulation, die durch die regellosen Bewegungen der 
Warenpreise, Devisen und Wertpapiere begünstigt werden. 
Man muß jedoch zwischen der hier angedeuteten Kapital- 
krise, die mit den unmittelbaren Rückschlägen des Krieges zu- 
sammenhängt, und zwischen der Kapitalkrise unterscheiden, die 
sich in anderen Ländern als ein Teil der gegen Mitte 1920 auf- 
tretenden Krise der Absatzmärkte bemerkbar machte. Diese 
letztere Art der Kapitalkrise wirkt ebenso auf die Produktion 
wie die Erstere im Sinne einer Verminderung der Produktion. 
Zwischen der Auswirkung der einen und der anderen Form dieser 
Krise ist aber ein wesentlicher Unterschied zu machen: während 
die zweite, die aus der Krise der Absatzmärkte entsteht, durch 
ihre Beschränkung der Produktion dazu führt, diese einer ge- 
ringeren Nachfrage anzupassen, verhindert die erstere, daß die 
ungenügende Produktion sich nach den Bedürfnissen des Marktes 
entwickelt. 
5. Krise der Absatzmärkte 
Um für die verschiedenen Länder die Tatsachen festzustellen, 
die sich auf das etwaige Bestehen, die Ausdehnung und die Ent- 
wickelung der Krise beziehen, sind untersucht worden: a) die auf 
die Krise selbst bezüglichen Unterlagen (Mitteilungen der ge- 
werblichen Organisationen, Berichte von Erhebungen, Antworten 
auf Fragebogen usw.), b) die Ausfuhrstatistiken, c) Statistiken 
der Produktion und der Arbeitslosigkeit. Auf Grund dieses ge- 
samten Materiales darf man für das Problem des Mangels an Ab- 
satzmärkten während der Zeit, über die sich die Erhebung erstreckt, 
die folgenden Feststellungen machen. 
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