Internationale Rundschau der Arbeit
e) Im Laufe des Jahres 1921 entwickelt sich dann die An-
passung der Löhne an die neuen Lebenskosten; dieses Jahr zeichnet
sich durch eine starke Niedergangsbewegung aus. Das aus den
Antworten auf den Fragebogen geschöpfte Material ermöglicht
eine Feststellung des Beginnes dieses neuen Abschnittes nicht.
f) Die tiefgehenden Unterschiede in der wirtschaftlichen
Entwickelung der verschiedenen Länder, besonders im Verlaufe
der Nachkriegszeit, drücken sich sowohl in Bewegungen der Löhne,
wie auch in solchen der Lebenskosten und in deren gegenseitigen
Beziehungen zueinander ‚aus. In der Mehrzahl der Länder Mittel-
und Osteuropas läßt die fortschreitende Entwertung des Geldes
während dieser Zeit die Steigerung der Geldlöhne wie auch der
Lebenskosten eine phantastische Höhe erreichen, doch bleibt
in dieser Ländergruppe die Bewegung der Löhne, von Ausnahmen
abgesehen, ständig hinter der Entwickelung der Lebenskosten
zurück.
g) Man muß hierbei zwischen den einzelnen Arbeiterkategorien
unterscheiden, wie auch zwischen den Ländergruppen unter den
Ländern selbst. Es ist ganz natürlich, daß die Löhne der untersten
Gruppen, der Nichtgelernten, der Frauen usw., d. h. solcher,
die schon vor dem Kriege sich dem nicht mehr zu verringernden
Minimum am meisten näherten, diejenigen sind, die sich während
der Zeit der ansteigenden Lebenskosten am besten an diese Ent-
wickelung anpassen konnten. Man beobachtet daher um diese
Zeit eine sehr deutliche Abwärtsbewegung der Reallöhne besonders
der gelernten Arbeitergruppen. In noch stärkerem Maße kann
man diese Bemerkung auf die Angestellten und Beamten der
öffentlichen Verwaltung ausdehnen.
5. Der Gesundheitsstand der Arbeiterschaft
Von dem Probleme der Veränderungen in den Lebensver-
hältnissen der Arbeiter während der von der Untersuchung er-
faßten Zeit ist man zu der Frage des Gesundheitsstandes der Ar-
beiterschaft übergegangen. Auch auf diesem Gebiete konnten
die Rückwirkungen des Krieges festgestellt werden, die in den
einzelnen Ländergruppen sehr verschieden waren: europäische und
nichteuropäische Länder; in Europa Länder, die am Kriege
teilnahmen oder neutrale Gebiete waren, und unter den ehe-
maligen kriegführenden Ländern die der mittel- und osteuro-
päischen Länder auf der einen und die der westeuropäischen
Länder auf der anderen Seite.‘ Nur wenige der von den ehemaligen
kriegführenden Ländern Europas eingegangenen Antworten weisen
für die Zeit nach dem Kriege keine Verschlechterung in dem
Gesundheitszustande der arbeitenden Bevölkerung auf. In der
Mehrzahl wird ausdrücklich gesagt, daß die Gesundheit der Ar-
beiterschaft durch den Krieg und seine Rückwirkungen beeinflußt
worden ist. Diese Klagen gehen von der Tatsache aus, daß der
Gesundheitsstand. schlechter als vor dem Kriege ist bis zur Be-
tonung einer vollständigen Erschöpfung. Oft wird eine Zunahme
der Erkrankungen und der Sterblichkeit erwähnt. Organisationen,
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