Full text: Erhebung über die Produktion

Internationale Rundschau der Arbeit 
zu Staat in Betracht. Die allgemeine Wirtschaftskrise und die 
Umwälzungen des Währungsmarktes haben in der ganzen Welt 
eine starke schutzzöllnerische Welle hervorgerufen. In Europa 
kam zur Erhöhung der Zollsätze die Vermehrung der Landesgrenzen 
durch die Friedensverträge. Immer mehr schließen die Länder 
sich gegeneinander ab. Die noch im kleinen Maßstabe arbeitende 
Produktion wird immer mehr durch die Fabrikation für große 
Märkte abgelöst. So wächst besonders in Europa die Gefahr eines 
Stillstandes dieser Entwickelung, die um so größer ist als sie einer 
mit dem Kriegsanfange beginnenden Zeit folgt, während der, 
wie wir gesehen haben, die europäische Wirtschaft, als Ganzes 
genommen, durch die Wirtschaft der außereuropäischen Länder, 
besonders der Vereinigten Staaten, so ungemein stark überholt 
worden ist. Aus allen diesen Gründen wird deshalb gefordert, 
daß man durch internationale Bemühungen großen Stiles Maß- 
nahmen der Gegenseitigkeit ergreife und tiefwurzelnde Bezie- 
hungen des Zusammenwirkens schaffe, die Methoden der Isolierung, 
des wirtschaftlichen Kampfes aufgebe, um gemeinsam die Wirt- 
schaftskräfte der verschiedenen Länder auszubauen. 
Eine dritte Strömung ist auf dem Gebiete der Sozialpolitik 
zu beachten. Die scharfe Betonung von Interessengegensätzen 
schafft sicherlich eine Atmosphäre und wirtschaftliche Verhält- 
nisse, die Maßnahmen internationaler Solidarität auf dem Gebiete 
der Arbeiterfragen wenig zuträglich sind. Die Schärfe des Wett- 
bewerbes und die unaufhörlichen Bemühungen zur Drosselung 
der Herstellungskosten halten in manchen Ländern den Fort- 
schritt der sozialen Gesetzgebung auf. Auch auf.diesem Gebiete 
erhalten die genossenschaftlichen Methoden des internationalen 
wirtschaftlichen. Zusammenarbeitens ihre Bedeutung zur Lösung 
der vorhandenen Schwierigkeiten. 
In gleichem Sinne aber wirkt auch noch eine andere Kraft, 
die öffentliche Bewegung für den Frieden. Von den verschieden- 
sten Seiten sind die Gefahren des Krieges beleuchtet worden, 
die aus den wirtschaftlichen Gegensätzen zwischen den einzelnen 
Staaten entstehen. Dabei konnte gezeigt werden, wie die verschie- 
denen Arten der Entwaffnung zusammengehören, und wie die 
militärische und geistige Abrüstung unerreichbare Ziele dar- 
stellen, solange in der Wirtschaft die internationalen Konflikte 
andauern. 
Alle diese Strömungen sind auf eine gemeinsame Quelle 
zurückzuführen. Im Verlaufe vieler Jahre, ja im Verlaufe eines 
Jahrhunderts, sind immer engere wirtschaftliche Beziehungen 
zwischen den Völkern geknüpft worden. Das Wirtschaftsleben 
der einzelnen Länder wird immer mehr von dem der anderen 
Länder mit abhängig. Daneben, darüber oder, besser gesagt, 
zwischen ihnen hat sich eine Weltwirtschaft herausgebildet. 
Daher kann das gemeinsame Problem, auf das alle diese ver- 
schiedenen Probleme zurückzuführen sind, in die Formel gefaßt 
werden: schafft die nötige Verfassung oder Satzung der Weltwirt- 
schaft. 
1) Treasury Department. United States Public Health Service. Public Health Bulletin 
Nr: 106. ‚‚Comparison of an Eight-Hour Plant and a Ten-Hour Plant.‘ Februar 1920, 
Washington 1920, S. 0. 
7G. Pätz’sche Buchdruckerei Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. 
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