Technisches Wirtschaftsziel u. Wirtschaftsziele der Wald- u. Bodenreinertragslehre. 77
160 Jahren kaum mehr gibt, und da die Massenerzeugung von Beständen
dieses Alter geringer zu sein pflegt als die „normale“.
Die Theorie der Waldreinertragslehre würde bei folgerichtiger
Durchführung unter Umständen noch eine Erh ö hung des S a ch -
k a pita ls eines forstwirtschaftlichen Betriebes fordern, obwohl schon
das vorhandene Sachkapital sich sehr niedrig verzinst. Insofern, als die
Waldreinertragslehre grundsätzlich den Gesichtspunkt der Rentabilität
außer Betracht läßt, ist sie abzulehnen. Zur Entscheidung der Frage,
in welchem Umfange der Waldbesitzer in seinem Betriebe Re ser v en
ansammeln will, die für ihn in vielen Fällen von Vorteil sein können,
ist ein Zurückgreifen auf die Theorie der Waldreinertragslehre nicht
erforderlich.
Der Unterschied der Bo denreinertragsleh re von der
Waldreinertragslehre besteht, wie wir sahen!), darin, daß jene den Rein-
ertrag nicht in seiner absoluten Höhe, sondern in seiner Ab-
hängigkeit von den Pro duk tions mitteln untersucht. Die
Rechnungsmethoden der Bodenreinertragslehre sind verschieden, wir haben
zwischen einr Bodenreinertragslehre im engeren
Sinne, deren Wirtschaftsziel die maximale Bodenrente
bilde, und einer Bo denreinertragsle hre im weiteren
Sinne unterschieden, die das g ün sti g ste Ver hältnis zwischen
Reinertrag und Produk tivk ap ital anstrebtr). Die erste der
beiden Rechnungsmethoden führt zu der Sinnlosigkeit negativer Boden-
renten, wenn die mit dem „Waldzinsfuß“ ermittelte Verzinsung des
Holzvorratskapitals größer ist als der Waldreinertrag.
Die Kulm in ation der Bod enr ente tritt nach Schwappachs)
sür die Buch e bei Zugrundelegung eines Zinsfußes von 3 /o ein
auf Standortsklasse ]: I..: MI.) IV. V.
bei gewöhnlichem Schluß im Alter 65 70.. . 80 85 90
„lockerem i: Z 90 gg 100. 100 110
Die maximalen Bodenrenten für IV. und V. Standortsklasse sind negativ.
Bei dieser Rechnungsmethode ist, wie schon früher gesagt:), fehlerhaft
die stillsichweigende Voraussetzung, daß bei herabgesetzter Umtriebszeit das
1) Vgl. S. 49 f.
?) Vgl. die formelmäßige Darstellung nach Lemmel, S. 59.
s) A. Schwappach, Die Rotbuche, Wirtschaftliche und statische Untersuchungen
ker Hsuptitation des forstlichen Versuchswessens in Eberswalde, Neudamm 1911,
2) Vgl. S. 75.