Full text: Die englische Agrarenquete von 1913

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Erster Teil. 
Drei Wege sind für Erhöhung des Einkommens der Landarbeiter 
denkbar: 1. Vermehrung der Kleinwirtschaften («mall holdings), 
2. Steigerung der Bodenrente in Verbindung mit abgekürzter Arbeits 
zeit, 3. Vermehrung der Gewerkschaften. 
1. Die Vermehrung der Kleinwirtschaften wird das Angebot von 
Arbeitern vermindern und damit den Lohn steigern, wie bereits an ver 
schiedenen Orten der Fall gewesen. Allerdings haben in den fünf Jahren 
der Gültigkeit der 8mall Holdings Acts (191)8—1912) erst '/a "/o der 
Arbeiter sich selbständig machen können, da meistens dazu das Kapital 
fehlt, und zwar um so mehr, je mehr niedrige Löhne Ersparnisse erschweren. 
2. Wenn Sicherung der Pacht für längere Fristen, Erleichterung 
des Kredites, des Verkehrs und der Kooperation den Farmer befähigen, 
höhere Erträge herauszuwirtschaften, kann er höhere Löhne zahlen, und 
zwar jetzt um so eher, als die bis 1900 gefallenen Getreidepreise seit 
dem erheblich angestiegen sind. Allerdings sind auch die Pachtpreise 
um 10, 15, ja über 20 Wo gestiegen. Erschwerend für die Lohnsleigerung 
wirkt die Solidarität der Farmer, die lieber allerlei Nöte des Arbeiter 
mangels auf sich nehmen, ehe sie sich durch organisatorische Veränderungen 
in den Stand setzen, höhere Löhne zu zahlen. Auch Tradition und 
Indolenz wirken hier konservativ. 
Die Gewerkschaftsbewegung setzte unter den Landarbeitern 
1872 ein, 1873 waren etwa 72 000 Landarbeiter, 1874 86000 in der 
National Union of Agricultural Labourers organisiert. Sie be 
wirkte Lohnerhöhungen bis zu 4 s. Aber 1879 waren nur noch 20000, 
1889 nur noch 4000 organisiert. Bald darauf brachte die Gründung 
einiger Zweigvereinigungen die Mitgliederzahl etwas in die Höhe, von 
1894 an aber ging es erneut bergab. Erhalten hat sich nur in den 
östlichen Grafschaften die National Agricultural Uabourcrs and Rural 
Workers Union, die aber seitens ihrer städtischen Schwesterinstitutionen 
keine Unterstützung fand, da diesen mit höheren Ansprüchen der Land 
arbeiter, die häufig zur Abwanderung in die Stadt führten, natürlich 
nicht gedient ist'). In Lancashire hat, wie teilweise schon erwähnt, die 
Union im Jahre 1913 eine Lohnerhöhung von 2, ein Überstundenlohn 
von Va s, freien Sonnabendnachmittag von 2 Uhr an und teilweise 
Anerkennung der Gewerkschaft erreicht. 
9 Während sonst die Solidarität der Arbeiter sogar internationale Be 
tätigung findet, scheinen hier die gegensätzlichen Interessen zwischen Stadt- und 
Landarbeitern einen Keil einzutreiben. Lehrreich auch für unsere Zukunft!
	        
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