IV. Teil.. Die Pariser Wirtschaftskonferenz.
Die Kriegsführung der Zentralmächte verursachte ungeheure wirtschaftliche
Schädigungen. Alle Fabriken im Bereich der Geschütze wurden zerstört; in den be-
setzten Gebieten mußten geeignete Werke Kriegsmaterial für deutsche Bedürfnisse her-
stellen. Material und, Lagerbestände anderer Betriebe wurden weggeschafft, die Maschinen
abmontiert und nach Deutschland gesandt. Diese Schäden lasten nicht gleichmäßig auf
allen Alliierten, diese haben sich jedoch zu deren Behebung solidarisch erklärt. So
wird, England die nötigen Textilmaschinen liefern, und die Zentralmächte sollen ge-
zwungen werden für Requiriertes Ersatz zu leisten.
Ein anderer Grundsatz der Alliierten in dem Krieg wirtschaftlicher Notwehr, den
sie unternehmen, ist, niemanden anzugreifen. Die Neutralen brauchen nichts zu befürchten,
wir arbeiten auf ihre Befreiung hin. Deutschlands wirtschaftliche Hegemonie brechen,
heißt eine sie bedrohende Gefahr beseitigen.
Durch die Stärkung der Produktivkräfte der alliierten Länder werden wir es ihnen
leichter machen als zuvor, die Unterdrückungsversuche zu vereiteln, deren sich eine
Nation in Zukunft wiederum schuldig machen könnte; so kämpfen wir, um den Frieden
zu sichern.
Jedermann weiß, welch? mächtige Waffe der Artikel 11 desFrankfurter Friedens für
die ‚Deutschen war, dank den Spezialanwendungen, die es ihnen erlaubten, sich ihr zu
entziehen, wenn dieselbe sie belästigte. Diese Klausel darf nicht wiederholt werden.
Die Einstimmigkeit der Alliierten in dieser Beziehung, sogar Rußlands und Italiens, bei
denen die Deutschen ihre bevorzugte Stellung wohl zu erhalten hofften, zeigt, in welchem
Maße die Völker danach streben, von der auf ihnen lastenden wirtschaftlichen Herr-
schaft befreit zu werden. ;
Es soll Deutschland, durch. besondere Handelsvorschriften den Erzeugnissen der
alllierten Länder verschlossen bleiben, wie z. B. den Früchten Italiens. (Italien produziert
jährlich für frs, 250—300 Millionen Frühgemüse, Früchte und andere dem Verderben
ausgesetzte Nahrungsmittel.) Werden die alten Absatzgebiete in feindlichem Land ver-
schlossen, so sollen durch billige Durchfuhrtarife befreundete Märkte zugänglich gemacht
werden. Wahrscheinlich wird Deutschland durch die jetzige Zwangslage veranlaßt
werden, Nahrungsmitteln rückhaltslos die Grenzen zu öffnen. Rußland braucht aber
sein Getreide nicht deutscher Volksernährung dienstbar zu machen. Industriealkohol
bietet unbegrenzte Absatzmöglichkeiten. Der Krieg hat den Maschinenbetrieb in einer
Weise erweitert, daß Benzin knapp geworden ist; Rußland kann uns statt dessen Alkohol
für industrielle Zwecke liefern.
Die freie Verfügung über die Rohstoffe ist ein wesentlicher Faktor der wirtschaft.
lichen Macht einer Nation. Deutschland gebot über fremdes Erz, welches es auf seinem
Gebiet verarbeitete, z. B. australisches Zink, Bauxit aus der Pro vence, Asbest aus Rußland
oder Schottland. Die Alliierten sind heute entschlossen, diese für das Leben einer Nation
wertvollen Stoffe den anderen nicht mehr zu überlassen. Der australische Ministerpräsi-
dent Hughes hat mir erklärt, kein einziges Gramm Zink würde fürderhin aus Australien nach
Deutschland ausgeführt werden, sollte dieser Staat auch zweimal so viel bezahlen als früher.
Die Alliierten waren darum besorgt, Vorkehrungen zu treffen; um zu verhüten,
daß ihre Industrien durch die Handelsmethoden des Deutschen Reichs, und. namentlich.
das Dumping, Schaden leiden. Sie haben sich verpflichtet, während, eines durch sie zu
bestimmenden Zeitabschnitts, die aus den feindlichen Ländern stammenden Waren einem
Einfuhrverbot oder einer besonderen Regelung zu unterziehen, welche ihnen erlaubt,
jeden Dumpingversuch erfolgreich zu bekämpfen. Dieses Einvernehmen (d. h. Schutz-
zölle) ist um so notwendiger, als Deutschland jetzt schon auf seinem Gebiete bedeutende
Vorräte von Waren aufgestapelt hat, die hauptsächlich aus Rohstoffen hergestellt sind,
welche aus den von ihm besetzten Gegenden stammen. Man könnte schwerlich zulassen,
daß kurz nach dem Kriege die deutschen Reiche ihren Devisenkurs dadurch höben, daß
sie den Alliierten Waren verkauften, die aus deren eigenen Rohstoffen hergestellt wären.