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Die gewerblichen Zustände im i8. Jahrhundert.
waren die Gesellen froh, wenn ihre Statuten überhaupt einmal die
obrigkeitliche Genehmigung erfahren hatten, und hüteten sie sich
durch Gesuche um Bestätigung die öffentliche Aufmerksamkeit aut
sich zu lenken. Verfolgt wie sie, wenigstens in Deutschland, waren,
werden sie auch kaum das Bedürfniss gespürt haben ihre über
kommenen Statuten zu ändern. Es haben sich die Schrägen erhalten
bei den Gesellenschaften der
Sattler von 1715;
Maurer „ 173 G
Reepschläger „ 173^5
Roth- oder Lohgerber „ 1733;
Maler „ 1739:
Barbiere „ i749!
Goldschmiede „ 1763;
Leineweber „ 1765.
Ausserdem lässt sich, wie schon im vorigen Jahrhunderte, aO
den erhaltenen Willkommen, Bechern, Tellern und anderen Ge"
räthen, das Vorhandensein folgender Gesellenverbindungen an*
nehmen :
. der Müller;
„ Knopfmacher und Posamentirer;
„ Kupferschmiede ;
„ Anker-, Zeug-, Nagelschmiede;
„ Stuhlmacher;
„ Zimmerleute.
Ja es kann sogar eine Verbindung der Gesellen eines undent
sehen Amts, nämlich der Schuhmacher von 1707, nachgewjese*^
werden, das einzige bis jetzt bekannt gewordene Beispiel eine^
derartigen Verbandes.
Wie sich die Ämter in dieser Periode in Reval gestalten, e”
zieht sich unserer Kenntniss. Das für die frühere Zeit benutz^
Schragenbuch wurde in schwedischer Zeit angelegt und entha
als späteren Eintrag aus dem 18. Jahrhunderte nur die Schrägt
der Lohgerber von 1734.
Über Dorpat sind wir zum Theil durch die fleissigen
Zeichnungen des verdienstvollen Gadebusch, zum 1 heil durch ^
werthvolle Abschriftensammlung der wohl kaum mehr erhalte^^^
Originalschragen, die C. Schöler in Dorpat veranstaltet hat *, bes
1 Durch Kauf 1880 in meinen Besitz übergegangen.