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sein, das Material sorgfältig zu teilen, um die Wirkungen dieser
Verschiebungen zu berücksichtigen.
76. Die hier angeführten Beispiele werden zur Beleuchtung der
Methode statistischer Untersuchungen ausreichen.
Zum ersten hat es sich gezeigt, daß allerdings eine Regelmäßig-
keit in den Zahlen herrscht, aber diese Regelmäßigkeit ist nicht
absolut, ganz im Gegenteil kommen oft bedeutende Abweichungen
vor. Der Spielraum für die Abweichungen kann indes verkleinert
werden, wenn man das Material in verschiedenen Rich-
tungen bearbeitet, wirtschaftlich und politisch gleichartige Peri-
oden auswählt und die Verschiebungen der Bevölkerung usw. be-
rücksichtigt. Oder mit anderen Worten: Große Abweichungen vom
Durchschnitt werden oft dazu verhelfen, die Anwesenheit gewisser Ur-
sachen festzustellen; je weniger die Zahlen voneinander abweichen,
desto schwieriger wird es sein, solche Ursachen statistisch zu be-
leuchten, Eine Teilung und Bearbeitung des Materials ist besonders
la notwendig, wo die Möglichkeit der Einwirkung zweier Ur-
sachen vorliegt, wo z. B. zu vermuten ist, daß sowohl Zivilstand
und Alter eine Rolle spielen. Allerdings kann man auch ohne eine
solche Zerlegung des Materials oft zu feststehenden numerischen
Resultaten gelangen, z. B. zu dem Ergebnis, daß die Witwer ver-
hältnismäßig viele Selbstmörder zählen; ob dies aber allein der be-
sonderen Altersgruppierung zuzuschreiben ist oder ob andere Ursachen
wirken, läßt sich nicht ohne Spaltung des Materials entscheiden.
Betrachtet man nun ferner statistische Reihen mehrerer
Länder, so wird man oft sehen, daß die Zahlen von gemein-
samen Ursachen beeinflußt werden. In vielen europäischen
Ländern wird man Parallelbewegungen finden. So hatten z. B. im
Jahre 1880 die meisten europäischen Länder eine besonders große
Kindersterblichkeit, in manchen Ländern Europas hatte die Trauungs-
frequenz von 1868—1869 ein Minimum, gegen Mitte der 70er Jahre
einen Kulminationspunkt und 1879—1880 ein neues Minimum. Selbst-
verständlich wird dies nicht die Gegenwart sehr kräftig wirkender
besonderer Ursachen ausschließen. So war z. B. das Hungerjahr
1868 in Finnland durch eine ungeheure Sterblichkeit und eine niedrige
Trauungsfrequenz charakterisiert. Im folgenden Jahre nahmen die
Eheschließungen wieder zu; viele Trauungen, welche 1868 ausgesetzt
wurden, scheinen 1869—1870 vollzogen worden zu sein; dadurch
werden Abweichungen vom einen Jahr zum andern natürlich um so
zrößer.