Full text : Wissenschaftliches Arbeiten

Einleitendes &
liche Leistung sein und wird daher auch den Stempel des
Persönlichen und Individuellen an sich tragen. Daher wird
man einer methodischen Behandlung‘ dieser Sammelarbeit
auch das Wort Goethes entgegenhalten: „Eines schickt sich
nicht für alle: sehe jeder, wie er’s treibe!“. Das Wort hat
seine Berechtigung. Doch es steht einer vernünftigen methodischen
 Behandlung der Hauptpunkte durchaus nicht im
Wege. Es soll ja nicht ein gemeinsames, für alle passendes
 Schema vorgezeichnet, sondern auf einige, prinzipiell
wichtige Punkte hingewiesen und für die Praxis auf einige
Winke aufmerksam gemacht werden, die den Weg zum
Ziele erleichtern und vielleicht manchen Umweg ersparen
können. Wer hätte denn noch nicht die Klagen über solch
beschwerliche Umwege und viel verlorene Zeit gehört?
Dem Manne der Wissenschaft, der seine Lehrjahre längst
hinter sich hat, mögen diese methodischen Erörterungen
immerhin wenig zu bieten haben. Dem strebsamen Musensohn
 werden sie zu Beginn des Weges nicht ganz unwillkommen
 sein,
3. Bei diesen Erörterungen ist noch ein Punkt zu beachten.
 Im Interesse der methodischen Untersuchung werden
die einzelnen Teile getrennt voneinander behandelt. Bei der
praktischen Arbeit müssen sie in beständiger Fühlung miteinander
 bleiben und sich wechselseitig durchdringen. Schon
die Wahl des Themas kann nicht vor dem Sammeln und
Verarbeiten des Stoffes zum vollständigen Abschluß gelangen.
Das .konkrete Desideratum stellt sich in der Regel erst
während der Arbeit heraus, wie schon bemerkt. wurde,
und ermöglicht erst so die genaue Fassung und Bestimmung
des Gegenstandes der Arbeit. Ebenso kann das Sammeln
des Stoffes nicht von der Kritik der Quellen und des Textes
und von der Interpretation ihres Inhaltes losgeschält werden.
Die theoretische Betrachtung muß aber im Interesse der
Klarheit die praktisch vereinten Funktionen auseinander
halten‘).
') Vgl. E, Bernheim, Lehrbuch® 563 f u. 3.

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