Metadata: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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man seinen Messias als ein Epos in irgendeinem sonst be⸗ 
folgten, alten oder neuen Stile bezeichnen. Die Frömmigkeit 
—DDD 
gewandt, noch weniger war es die seine; und der Geist der 
Zeit trieb ihn zu pathetisch-empfindsamer, lyrischer Verherr⸗ 
lichung des Gottessohns und des Werkes der Versöhnung, 
wenn auch in lose epischen Formen. In ihr aber hat der 
Dichter der Zeit nicht bloß genug getan, nein ihr geradezu 
noch einmal ein neues christliches Gefühl offenbart: tausend 
Zeugnisse beweisen es. 
Gewiß ist da feste Charakterschilderung nicht des Dichters 
Sache: die göttlichen Personen sind in dieser Hinsicht mit 
Befangenheit dargestellt, und die menschlichen stehen, nach Art 
der Psychologie des früheren Mittelalters, unter der unmittel— 
baren Einwirkung göttlicher und teuflischer Kräfte. Nicht 
minder geht dem Gedichte jede klare Disposition der Räume 
ab: die kosmologischen Anschauungen des Neuen Testamentes 
liegen in beständigem und verhängnisvollem Widerstreit mit 
den kosmologischen Anschauungen des Dichters als eines An⸗ 
hängers der kopernikanischen Weltlehre. Und die Folge dieser 
Mängel ist klar: keine innere Einheit der Handlung und des 
Geschehens, und damit keine Einheitlichkeit der Komposition 
überhaupt. 
Aber haben die Zeitgenossen das in dem Gedichte gesucht? 
Für sie waren diese Fehler leicht übersehbare Mängel der nun 
einmal unvermeidlichen epischen Grundlage; sie wandten sich 
von ihnen ab und lebten enthusiastisch der lyrisch-pathetischen 
Stimmung des Ganzen. Und wer will deren Wucht, wer den 
Glanz der Sprache, wer die unglaubliche Kraft der Wirkung 
auf empfindsame Seelen verkennen? Ein ganzes Geschlecht 
von Dichtern hat nach diesem Vorbilde geschaffen; und in 
ihren ersten Gesängen namentlich ist die Messiade neben den 
Oden das unerreichte Denkmal des Schrifttums unserer empfind⸗ 
samen Zeiten geblieben. 
Aber die Höhe der empfindsamen Periode wurde abgelöst 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 2. 28
	        
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