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Vernichtung der Konkurrenten
Nach den Berichten seiner Zeitgenossen zu urteilen, war
eins seiner wirksamsten Mittel zur Beseitigung der Konkurren-
ten die Bestechung des Gemeinderats von New York, der ihm
Hafenprivilegien zubilligen und den anderen abschlagen sollte.
Da die Docks der Stadt gehörten, hatte der Gemeinderat das
alleinige Verfügungsrecht über ihre Verpachtung. Es verging
kein Jahr, wo nicht die Segelboot- und Dampferbesitzer,
die Großgrundbesitzer und andere Kapitalisten die Stadträte
durch Bestechung bewogen, ihnen wertvollen städtischen Be-
sitz zu verpachten oder schenkungsweise zu überlassen. Viele
Skandale waren die Folge, und sie gipfelten n dem großen
Skandal des Jahres 1853, als die Grand Jury am 26. Februar
einen Bericht veröffentlichte, der in allen Einzelheiten dar-
legte, wie gewisse Stadträte Bestechungsgelder bekommen
hätten gelegentlich der Verfügung über die städtischen
Wassergerechtsame, die Kaiprivilegien und andere Besitz-
tümer, und wie ungeheure Bestechungsgelder!) verausgabt
seien, um Bahnkonzessionen in der Stadt zu bekommen.
Vanderbilt war in diese Betrügereien nicht offenkundig ver-
wickelt, jedenfalls nicht mehr als die Astors, die Rhinelanders,
die Goelets und andere sehr reiche Leute, die sich vorsichtig
im Hintergrunde hielten und die Stadt durch die Mitwirkung
von Mittelspersonen ausplünderten.
Vanderbilt wurde einer der bedeutendsten Reeder in den
Vereinigten Staaten und einer der gefürchtetsten Arbeit-
geber. Er hatte hundert Schiffe zugleich unterwegs. Tau-
sende von Schiffszimmermeistern, Technikern und anderen
Arbeitern plagten sich jahrelang für ihn bei einem Tagelohn
von 1,50 Dollar für 14—16 Stunden täglich. Der tatsächliche
Wert dieses Lohnes verminderte sich in demse ben Maße, wie
sich die Miete und die anderen Lebensbedürfnisse verteuerten.
Das machte sich besonders nach den großen Goldfunden in
California bemerkbar, als die Preise für alle Lebensbedürf-
nisse abnorm in die Höhe gingen, und die Arbeiter aller Bran-
chen gezwungen wurden, zur Erlangung höherer Löhne zu
streiken, um leben zu können. Die meisten dieser Streike
7) Proceedings of the New York Board of Aldermen, Bd, 8, S. 423—421.