Full text : Die Arbeiterfrage

über  das  unpersönliche  Niveau  eines  Erzeugers  ökonomischer
.Werte  emporzuheben,  der  Arbeiter  wurde  sich  stolz  bewußt,
wieviel  für  ihn  selbst,  seine  Familie,  seine  Klasse,  ja,  die  gesamte ­
  Menschheit  von  seinem  Verstehen,  Denken,  Wollen  und
Handeln  abhing.  Auch  die  Niederringung  selbstsüchtiger  Instinkte ­
  und  deren  Ersatz  durch  Gefühle  der  Gemeinsamkeit,
Berufs-  und  Standessolidarität,  ist  als  moralischer  Erfolg  zu
buchen.  „Ich  bin  nicht  Sozialdemokrat,  weil  ich  über  Um
gerechtigkeiten,  die  mir  widerfahren,  empört  bin,“  schreibt  ein
Metallarbeiter,  „sondern  ich  bin  es,  weil  ich  sehen  muß,  wie
Tausende  und  Abertausende  in  Not  und  Elend  dahinvegetieren.“
Wichtig  bei  beiden  Bewegungen  ist  der  Idealismus,  mit  dem
der  Arbeiter  die  daraus  einströmende  neue  Gedankenwelt  erfaßte.
Man  nimmt  beiden  Bewegungen  ihr  wert-  und  kraftvollstes  Element, ­
  wenn  man  sie  nur  als  rein  wirtschaftliche  Bewegungen
auffassen  wollte.  Nicht  einmal  historisch,  geschweige  denn  psychologisch, ­
  ist  diese  Auffassung  richtig.  „Meine  Kinder  werden
einst  stolz  darauf  sein,“  so  klingt  es  immer  wieder,  „daß  ich
für  die  Befreiung  der  Menschheit  mitgelitten  habe.“  Der  Ungeheure ­
  Einfluß  beider  Bewegungen  ist  ohne  Frage  eine  Kulturtat, ­
  ohne  die  wir  eine  Arbeiterklasse  vielleicht  ohne  jede  Gefühlswerte ­
  hätten.
Welchen  Einfluß  hat  auf  Sie  die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung? ­
  Haben  Sie  dadurch  Hoffnung,  daß  es  bald  besser
für  Sie  wird?  Oder  sind  Sie  hoffnungslos  und  warum?

Berg

arbeite  r.

Entlohnungsform:  durchweg  Akkord.

U
ü
<
jh7

Wieviel  Kinder

I  Durchschn.
3  Wochen-|
  verdienst

Art  der
Beschäftigung

20

19,-Berg

 ­


Der  Bewegung  bin  ich  vollständig  angeschlossen,
  und  ich  hoffe,  daß  recht  bald  die
Zeit  kommt,  wo  wir  den  herrschenden
Klassen  die  Regierungsmacht  entreißen
werden.  (3.)  [B.  S.]

286

21

23,—

Bergmann ­


Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung
hat  mich  erst  zum  denkenden  Menschen
gemacht.  Der  Einfluß  hat  sich  soweit  vertieft, ­
  daß  ich  bereit  bin,  jede  Waffe,  die  für
die  Befreiung  brauchbar  ist,  zu  benutzen.
Ich  bin  nicht  hoffnungslos,  denn  nur  der
Unverstand  der  Massen  hindert  uns  daran,
die  schon  reifen  Früchte  einzuernten.  (3.)
[B.S.]

22  1

28,—

Bergmann ­


Ich  fühle  mich  wie  ein  Glied  in  einer  Kette.
Hoffnungslos  bin  ich  zuweilen,  wenn  ich
im  Kreise  alter  Kameraden  bin.  Wenn  ich
dann  in  meinem  jugendlichen  Alter  diesen
alten  Kameraden  meine  Hoffnungen  entwickle ­
  und  die  dann  lächeln,  so  vergehe
ich  in  Bitternis  und  Weh.  Aber  der  Gedanke, ­
  wie  viele  Menschen  ihr  Leben
schon  gelassen  haben  für  die  Menschheitsbefreiung, ­
  erfüllt  mich  mit  neuer  Hoffnung.
(2.)  [B.R.]

23

24,-Berg-




Einen  guten.  Denn  ohne  die  politische  und
Gewerkschaftsbewegung  würde  ich  nicht
zu  einer  Erkenntnis  meiner  Lebenslage  gekommen ­
  sein.  Die  politische  und  Gewerkschaftsbewegung ­
  hat  mir  den  Haß  gegen
die  göttliche  Weltordnung  und  die  besitzende ­
  Klasse  eingeimpft.  Und  wer  ehrlich ­
  hassen  kann,  kann  auch  hoffen.  Sonst
hätte  ich  mich  schon  von  beiden  Bewegungen ­
  losgesagt  aus  Verachtung  vor
meinen  Klassengenossen.  (1.)  [B.  R.]

281
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.