Full text : Theoretische Sozialökonomie

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Kap. VIII. Der Arbeitslohn.
Streben hat dazu geführt, daß das Substitutionsprinzip bei der Behandung
 des Preisbildungsproblems in den Vordergrund gestellt wurde, un
daß der Voraussetzung, daß der eine Produktionsfaktor den anderen
kontinuierlich verdrängen kann, ein ungebührliches Gewicht beigelegt
wurde. Von den Darstellungen der Lehrbücher, die diesem Gedanken
gang folgen, bekommt man oft die Vorstellung, als ob die genannte
oraussetzung eine notwendige Bedingung für die Bestimmtheit de
reisbildungsproblems wäre. Wir müssen aber, wie schon früher bemerkt,
 an eine Preisbildungstheorie die Forderung stellen, daß sie
in erster Linie einen ausschließlich vom Prinzip der Knappheit bestimmten
 Preisbildungsprozeß, wo also insbesondere von der Möglichkeit
 einer Substitution abgesehen wird, zu erklären imstande ist.
Gegen eine Theorie des Arbeitslohns, die auf dem Begriff der Grenzproduktivität
 aufbaut, muß ferner, wie überhaupt gegen jede Grenzproduktivitätstheorie,
 der Einwand geltend gemacht werden, daß die Grenzroduktivität
 selbst keinen objektiv gegebenen Faktor-des Preisbildungsroblems
 darstellt, sondern in Wirklichkeit eine der Unbekannten
des Problems ist und mit den übrigen Unbekannten dieselbe Stellung
innimmt. Solange wir unsere Betrachtungen auf einen bestimmten
roduktionszweig, wo nur ein einziges Produkt hergestellt wird, bechränken,
 ist es immerhin möglich, die Grenzproduktivität wenigstens
als einen selbständig bestimmten Begriff aufzufassen. Das „Grenzprodukt‘‘
 ist ein gewisser konkreter Teil des Gesamtprodukts. Wenn
aber dieselbe Arbeit in mehreren verschiedenen Produktionszweiget
erwendet wird, ist offenbar nicht einmal eine solche konkrete Auffassung
 des Grenzprodukts länger möglich. Die Grenzproduktivität muß
in allen Produktionszweigen dieselbe sein und kann deshalb nur als
in Anteil an den Preisen der verschiedenen Produkte aufgefaßt werden.
Diese Preise werden aber u. a. durch die Bedingung bestimmt, daß die
etrachtete Arbeit in allen verschiedenen Produktionszweigen denselben
 Preis’ haben muß. Ihre Grenzproduktivität kann dann überhaupt
 nicht als etwas anderes definiert werden als eben dieser Preis.
enn dieser Preis stellt eben den Beitrag der betreffenden Arbeit
um Preise des Produkts dar. Der Satz, daß der Lohn von der Grenzroduktivität
 der Arbeit bestimmt ist, verliert dann jeden selbständigen
inn. AA
Es ist schließlich auch zu beachten, daß das Zurückführen des
rbeitslohns auf die Grenzproduktivität der Arbeit uns überhaupt
einen Aufschluß gibt über die Abhängigkeit des Arbeitslohns von den
Anstrengungen und der Tüchtigkeit der Arbeiter. Denn welche Wirkung
eine Steigerung der Effektivität der Arbeit auf ihre Grenzproduktivität
at, ist gewiß nicht von vornherein klar, sondern ist vielmehr eine
Frage, die zum eigentlichen Kern des Lohnproblems gehört. Die Effektivität
 der Arbeit ist eben ein Begriff, dersich auf die technische Ver.
            
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