Diese Details sind tatsächlich prinzipieller Art und allgemein gültig,
gleichgültig, welche Branche in Frage steht. Das Betriebspersonal muß
vom Meister bis zum Betriebsleiter hinauf den technischen und den
psychologischen Aufbau in allem Wesentlichen genau kennen und wis-
sen, wie sie sich zu verhalten haben.
Selbstverständlich genügt ein einziger Vortrag nie, um alteingewöhnte
Meister oder Meisterinnen umzustellen. Dafür bedarf es wiederum
der individuellen Umgewöhnung jedes Einzelnen. Dafür ist die Anwe-
senheit des Psychotechnikers oder eines psychotechnisch geschulten Be-
triebsmannes nötig, der von Fall zu Fall dafür sorgt, daß die Neuaus-
gebildeten während des ganzen Werdeganges sachlich und psychologisch
richtig angeleitet und weiterausgebildet werden. Diese Unterstützung
von, oben ist. in der. gegliederten Gemeinschaftsarbeit unentbehrlich als
richtige Führung zum richtigen Arbeiten.
Da. der ‚oberste Führer allein schon wegen der zeitlichen Inanspruch-
nahme nicht selber in alle Einzelfragen eingreifen kann, ist eine zweck-
mäßige Dezentralisation der Verantwortung notwendig. Sie besteht im
Anvertrauen der speziellen Aufgaben an Untergeordnete, die vom glei-
chen Willen beseelt im Einklang mitarbeiten. Wo die Arbeitsteilung es
verlangt, das heißt in größeren Unternehmungen, ist es naturgemäß der
Psychologische Direktor oder Berater, dem die Aufgabe solcher Direk-
tiven zufällt. In kleineren Betrieben hat der Inhaber oder Betriebsleiter
selber ‚die Funktion, „Seele des Geschäftes” im nicht nur technischen
Sinne des Wortes zu sein.
Die Resultate der Nähschule.
Aus dem Dargelegten erhellt die wirtschaftliche Bedeutung und dar-
über hinaus’ die soziale Bedeutung des psychologisch richtigen Anler-
nens und der psychologisch richtigen Menschenbehandlung ohne weiteres.
Der Einzelne wie der ganze Betrieb erhält auf diese Weise in kürze-
ren Zeiten bessere Arbeitsgewöhnungen. Also Steigerung sowohl der
Quantität wie der Qualität. Dieser Gewinn resultiert keineswegs auf
Kosten des arbeitenden Menschen; diesen bringt er den Fähigkeiten an-
gepaßte Arbeiten, gute Arbeitsgewöhnungen, bessere Entwicklungsmög-
lichkeiten und ein höheres Einkommen.
Wenn wir die praktischen Erfolge der besprochenen Versuche an-
sehen, so sieht man, daß die Schülerinnen, die diesem Lehrplane gemäß
ausgebildet worden sind, gute bis ganz gute Resultate ergeben haben:
so daß man dem Schlußbericht von Suter, der als Anhang zum I. Kapi-
tel hier wiedergegeben ist, voll zustimmen kann, wonach diese Versuche
bestätigt haben, daß es mit dieser Methode möglich ist, die Arbeitsbe-
dingungen wesentlich zu verbessern. Die Lehrzeit konnte im Budget von
1 bis 2 Jahren auf 2 bis 4 Monate reduziert werden. Zur vollen Realisie-
rung konnte es damals, mitten in der Kriegszeit in der Schuhfabrik Bally
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