Full text: Konzentrationstendenzen im badischen Bankgewerbe

Wie sich das Verhältnis der Anzahl der vorhandenen Bank 
institute in den 6 größten badischen Städten zu der Bevölkerungs 
ziffer derselben von der Mitte des vergangenen Jahrhunderts 
ab gestaltete, zeigt Tabelle 5 (siehe Anhang), die zugleich ein Bild 
abgibt für die seit 1895 stark zunehmenden Konzentrationsten 
denzen im badischen Bankgewerbe: 
Während im Jahre 1890 in den größeren Städten Badens 
durchschnittlich auf 10000 Einwohner noch 2,42 Banken kommen, 
sinkt diese Verhältniszahl ständig, derart, daß bei der letzten 
Volkszählung 1910 auf je 10000 Einwohner nur noch 1,17 Ban 
ken fallen, was eine Zunahme der Bankenkonzentration auf die 
Bevölkerungsziffer Badens von über 50 °/ 0 innerhalb 20 Jahren 
bedeutet. 
Ein jeder Handel, ein jeder Kauf kommt bekanntlich nur 
zustande, wenn beide Kontrahenten einen Vorteil zu erringen 
glauben; dies gilt auch für eine Verschmelzung oder Angliederung 
zweier Bankkomplexe. 
Drei Hauptfaktoren sind es, die beim Zusammenschluß von 
Bankinstituten (Fusion) zu einer Betriebseinheit in Frage kommen, 
und die gegenseitig gewertet werden: ein aktiver, ein passiver 
und ein universaler: 
1. Die Machtentfaltung der zum Großbetrieb drängenden 
starken Existenzen, 
2. Die Ohnmacht der durch die alle kapitalschwachen Exis 
tenzen verdrängenden Konkurenz um ihr Dasein ringenden 
schwächeren Elemente und 
3. Das Streben nach Risiko-Teilung. 
Je nach bestehender Konjunktur kommt das erste oder 
zweite Moment mehr zur Geltung, wofür die verschiedenen 
Hochkonjunkturen und die darauffolgenden Krisenjahre 1873 und 
1902 ein Beispiel abgeben. Der dritte Faktor: die Tendenz, das 
mit größeren Finanztransaktionen verbundene Risiko auf mehrere 
Institute zu verteilen, übt hingegen unabhängig von bestehenden 
Konjunkturen seine zur Konzentration drängende Wirkung aus. 
Stellten wir die verschiedenen Konjunkturen in der gesamten 
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