zent. Anfänglich bedurfte er noch einiger Ueberlegungen zur rationel-
len Einstellung seiner Bewegungen. Aber schon nach 4 Stücken ging
es von selber und die zur Ueberlegung verwendete Zeit fiel ganz weg.
Solche Leistungen müssen den Lehrlingen gezeigt werden, weil sie bes-
ser als alle Worte erzieherisch wirken.
Von da aus ist nur noch ein kleiner Schritt, bis der Lehrling dazu
gelangt, sich selber zu überwachen und gegebenenfalls zu korrigieren.
Die erlebte Wiederholung begünstigt die Entstehung einer Gewöhnung,
das heißt einer Tendenz zu einem durchgreifenden rationellen Verhal-
ten, das sich. nicht bloß auf die Hilfsvorrichtungen erstreckt, sondern
auch auf rationelle Bewegungen und auf Zeitersparnis.
Diese erzieherischen Maßnahmen führen ohne scharfe VUebergänge
zum eigentlichen Training über. Voll kann es naturgemäß erst ein-
setzen, wenn alle bis dahin besprochenen Faktoren der Rationalisierung
des Arbeitsprozesses in Ordnung sind. Beim Lehrling heißt das, daß
sie zur selbstverständlichen Gewöhnung geworden sind.
Die industrielle Ausbildung bringt es mit sich, daß der ausgebildete
Lehrling allmählich für größere Serien, für die eigentliche Fabrikation
verwendet wird. Er erhält mit der Zeit auch größere Partien bestellter
Arbeiten zugewiesen, beispielsweise die Aufgabe, einige Tausend Stiften
am einen Ende rund zu fräsen. Die maschinellen Einrichtungen sind
zeitgemäß, seine Bewegungen sind rationell, er ist an der Arbeit. Nun
erhebt sich die Frage nach seinem Arbeitstempo. Wird er sich selbst
überlassen, so wird er nur in den seltensten Fällen das für ihn optimale.
Tempo einschlagen, sondern bleibt in der Regel weit dahinter zurück.
Die Gründe können der verschiedensten Art sein. Wenn aber eine ratio-
nelle Erziehung der beschriebenen Art vorausgeht, so ist der Hauptgrund
in der Nachwirkung der notwendigerweise langsamen Anlerngewöhnun-
gen zu suchen.
Bei den allerersten Bewegungen geht der Ungeübte naturgemäß lang-
sam vor: er ist noch gezwungen mitzudenken und die Größe und Rich-
tung jeder einzelnen Bewegung bewußt mitzumachen. Das nimmt
selbstverständlich Zeit in Anspruch. Mit den Wiederholungen tritt
rasch zunehmende Automatisierung ein. Die Bewegungen wickeln sich
auch ohne die ursprüngliche hohe Aufmerksamkeitsspannung exakt ab;
der Geist wird entlastet. Dieser Entlastung parallel geht ein Gefühl der
Erleichterung, unter dessen Einfluß ganz von selbst ein rascheres Tempo
eingeschlagen wird. Da aber die vorangegangenen Bewegungen bereits
den Ansatz zu einer Gewöhnung bezüglich Tempo bilden, so ist die Ge-
fahr groß, daß bald eine weitere Steigerung des Arbeitstempos unter-
bleibt.
Diese Tatsache erklärt, warum das gewöhnliche Arbeitstempo nicht
von selber optimal wird. Sie weist aber auch den Weg für das Trai-
ning. Man darf die Anfangsgeschwindigkeit nicht zur Gewöhnung wer-
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