Full text: Völkerbund, Die Weltwirtschaftskonferenz

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An der restlosen Erfüllung ihrer Aufgaben ist die Land- 
wirtschaft gegenwärtig durch eine allgemeine Depression 
behindert, deren Stärke verschieden ist, die aber eine große 
Zahl von. Ländern berührt, von denen die Versorgung 
der Welt mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen abhängt. 
Der wirtschaftliche Niedergang der Landwirtschaft 
findet seinen Ausdruck in der Störung des Gleichgewichtes 
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daß in einer großen Zahl von Ländern die Landwirte füc 
Crir§ahitung ntehr erhalten Hie flehte wirsshaftich: 
Lage ist in vielen Ländern noch verschlimmert worden 
durch die Schwierigkeit, Kredite zu normalen Bedingungen 
zu erlangen, und durch die starke Steigerung der öffent- 
lichen Lasten. Dies hat zu einer Schwächung der Kauf- 
kraft der Landwirte geführt, ohne daß den Verbrauchern 
deshalb immer eine Senkung der Nahrungsmittelpreise 
zugute gekommen wäre. 
Die Verminderung der Kaufkraft der landwirtschaft- 
lichen Bevölkerung hat eine Rückwirkung auf die in- 
dustrielle Erzeugung ausgeübt und ist infolgedessen eine 
der Ursachen der Arbeitslosigkeit, die ihrerseits wiederum 
den Absatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verringert. 
Wenn nicht zweckdienliche Maßnahmen zur Wieder- 
herstellung des richtigen Preisverhältnisses ergriffen 
werden, ist zu befürchten, daß es früher oder später zu 
einemRückgang der landwirtschaftlichen Erzeugung kommt, 
der das Wohl der gesamten Menschheit beeinträchtigt. 
Es gibt indessen andererseits technische Mittel, welche 
die landwirtschaftliche Erzeugung beträchtlich zu steigern 
vermögen. Es gilt sie zu gebrauchen. Ihre allge- 
meine Anwendung würde von den günstigsten Folgen 
für die Wohlfahrt und den Wirtsschaftsfrieden der 
Welt bealeitet sein. 
II. Allgemeine Entschließungen 
1. Die Konferenz betrachtet es daher als eine Lebens- 
frage auf wirtschaftlichem Gebiete, die landwirtschaftliche 
Erzeugung zu steigern und die Landwirtschaft zu diesem 
Zwecke mit der Industrie gleichzustellen, so daß sie allen, 
die in der Landwirtschaft tätig sind, eine befriedigende 
Lebenshaltung und eine normale Entschädigung für ihre 
Arbeit und ihre Kapitalien gewährt. 
Es ist wichtig, die öffentliche Meinung über diese Not- 
wendigkeit aufzuklären, da sie die wahre Lage der Land- 
wirtschaft nicht immer genügend berücksichtigt und diese 
zu oft als einen Erwerbszweia von unteraeordneter 
Bedeutung ansieht. 
2. Die Besserung der wirtschaftlichen Lage der Land- 
wirtschaft muß in erster Linie das Werk der Landwirte 
selbst sein. Die allgemeine Anwendung des technischen 
Jortschritts, die wissenschaftliche Organisation der Boden- 
produktion und der Tierzucht, der Bekämpfung von 
Pflanzensschädlingen und Tierkrankheiten, des Absatzes, 
der Standardisierung der landwirtschaftlichen Produkte 
im Interesse der Erzeuger wie der Verbraucher, der 
Untersuchung der Marktverhältnisse, der Ausbau des 
Kredit- und Versicherungswesens werden die Landwirte 
befähigen, ihre Erzeugungskossten im eigenen Interesse 
und zum Nutzen der Verbraucher zu vermindern. 
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