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zu sagen, daß, solange übermäßig hohe Zolltarife bestehen,
dieser unwirtschaftliche Gebrauch des Kapitals sich
weiter fortpflanzt und eine steigende Anzahl verbriefter
Interessen schafft, die sich der Rückkehr zu einer gesunderen
Politik widersetzen.
Hohe Jolltarife beliebiger Systeme sind vielfach auch,
wenigstens zu Anfang, als reine Verhandlungszölle fest-
geseßt worden. Spätere Verhandlungen haben jedoch
nicht zu angemessenen Abänderungen geführt, was zur
Jolge hatte, daß die Zollschranken höher geblieben sind als
je zuvor.
Dieser Übelstand ist in den letten Jahren durch den
Nachkriegsbrauch verschärft worden, die übertrieben
hohen Sähe der Kampfzölle, sei es auf Grund eines
autonomen oder anderenSystems, schon vor den Verhand-
lungen in Kraft zu seten, mit dem Ergebnis, daß in-
zwischen häufig Kapitalien investiert werden, die die in
Aussicht genommenen Tarifermäßigungen unmöglich
gemacht haben.
Neben den Beweisgründen aus dem Gebiete der Tarif-
verhandlungen werden häufig fiskalische Erwägungen
zur Rechtfertigung sehr hoher Tarife angeführt. Aber
das Gleichgewicht eines Staatshaushalts ruht auf einem
sehr unsicheren Grunde, wenn es auf sehr hohen Joll-
säten fußt, die eine Verminderung der Einfuhr und
damit der Zolleinnahmen bewirten. Außerdem hat
der Schmuggel, der durch überhohe Zölle ermutigt
wird, eine zersseßende Wirkung.
Ein Grund, der vielfach zur Rechtfertigung überhoher
Nachkriegstarife angeführt wurde, ist die Notwendigkeit,
die für die Landesverteidigung erforderliche Industrie
zu schüten. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß dieser
Beweisgrund, was auch grundsätzllich für ihn sprechen
mag, oft mißbraucht worden ist, um ausschließlich wirt-
schaftliche Zwecke zu verfolgen.
Endlich hat das Bevölkerungsproblem einzelne Länder
mit einem Überschuß an Arbeitskräften veranlaßt, ihren
Zollschut mit diesem Argument zu begründen.
Erörterung der Handelspolitik
Bei der Aufzählung der Ursachen und Erwägungen,
die für die übermäßige Schutzpolitik der Nachkriegsjahre
verantwortlich sind, unternimmt die internationale Wirt-
schaftskonferenz keinen Versuch, zu den grundsätlichen
§ragt des Schutzzolles oder des Freihandels Stelluna
zu nehmen.
Den Gedankengängen, die die Völker in eine Lage
gebracht haben, die ihrem eigenen Wirtschaftsleben ebenso
schädlich ist wie ihren internationalen Wirtschaftsbezie-
hungen, sind die Erwägungen entgegenzustellen, die für
die Rückkehr zu einer allgemeinen Politik kreieren inter-
nationalen Handels sprechen.
Zu oft ist übersehen worden, daß der Versuch, In-
dustrien, die sonst in dem betreffenden Lande nicht
gedeihen können, künstlich zu züchten, die Entwicklung
derjenigen Vroduktionen, für die das Land sich von
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