Object: Der Weltverkehr und seine Mittel

544 Moderne Seehäfen: Liverpool, London. 
nissen wahrlich nicht arm ist, entstehen lassen. Wie die beigefügten Abbildungen er 
kennen lassen, gewährt Marseille, die bedeutendste Handelsstadt Frankreichs, ein höchst 
malerisches Bild. 
Die Eröffnung des Suezkanals gab besonders den Anstoß zu einer Hafenvergröße 
rung. Der alte Hafen, welcher so eingerichtet ist, daß die Seeschiffe stevenrecht am Kai 
laden und löschen, war schon lange als ungenügend empfunden worden. In dem neuen 
Hasenbassin sind die Kais mit Einschnitten versehen, welche große Längen für die See 
schiffe gewähren. Ein mächtiger Wellenbrecher schützt die an den Kais liegenden Schiffe 
gegen die starken auftretenden Winde. Schon sind wiederum, wie in unserer Zeit an 
allen größeren Hafenplätzen, neue Anlagen im Entstehen begriffen, und hier wie an 
anderen Orten vermag die Schaffung der Anlagen nicht Schritt zu halten mit dem riesig 
anwachsenden Schiffs- und Handelsverkehr. 
Liverpool, dieser so außerordentlich bedeutende Hafenort Englands besaß am 
Beginn dieses Jahrhunderts einige 70 000 Einwohner. Den Hauptteil der Schiffs 
fracht bildeten in jener Zeit Sklaven, die nach Nord- und Südamerika geschafft wurden. 
Die größten Sklavenhändler der Welt waren damals Liverpooler Kaufleute, in deren 
Händen etwa 5 / 6 des gesamten Handels vereinigt war. Durch die Unterdrückung des 
Sklavenhandels erlitt Liverpools Handel zunächst einen sehr empfindlichen Stoß. Der 
Entwickelung der Liverpooler Schiffahrt standen hauptsächlich zwei Umstände entgegen, 
die Barre an der Mündung des Mersey und die große Differenz zwischen dem Flut- 
und Ebbewasserstand, die bis zu 9 in beträgt. Während das erste Hindernis nur mühsam 
und doch nicht vollständig zu überwinden war, hat man die aus der großen Wasser 
standsdifferenz sich ergebenden Unbequemlichkeiten durch die Anlegung ausgedehnter 
Dockanlagen beseitigt. Diese Bassins besitzen Schleusen, deren Thore geschlossen werden, 
wenn das Wasser zu fallen beginnt. Liverpool hat gegenwärtig die ausgedehntesten 
Docks der Welt, deren Verwaltung und Betrieb der Dock- und Hafenbehörde untersteht. 
Fast der ganze Baumwoll- und Holzhandel und der größte Teil des Kornhandels Englands 
liegt in den Händen Liverpooler Kaufleute. Am 1. Juli 1893 betrug die auf die Er 
bauung der Docks verwandte Summe 424 000 000 Mark. 
Die Geschichte des größten Handelsplatzes der Welt, der Riesenstadt London, kann 
bis in sehr weit zurückliegende Zeiträume verfolgt werden. Die Römer fanden bereits 
auf jener Stelle, die London einnimmt, eine bedeutende Ansiedelung. Die Stadt blieb 
während der wechselvollen Geschicke, welche die britische Insel in so reichem Maße zu 
verzeichnen hat, stets der Hauptpunkt des Landes. Die ungeheuere Zahl von fünf 
Millionen Menschen drängt sich hier zusammen, und dem weitaus größten Teile derselben 
gewähren Schiffahrt und Handel den Lebensunterhalt. 
Bis zu der London Bridge, wohl der belebtesten der Welt, die täglich von über 
100 000 Menschen und fast 16 000 Fuhrwerken Passiert wird, erstreckt sich der Haupt 
lebensnerv der Stadt, die von Seeschiffen befahrbare Themse. Von hier ab liegen 
stromabwärts an beiden Ufern die unzähligen Schiffe, die aus allen Teilen der Erde 
ungeheuere Massen von Waren aller Art herbeischaffen und umgekehrt wiederum auf 
ihrer Ausfahrt die maunigfaltigsteu Artikel mitnehmen. Bis zum Ende des achtzehnten 
Jahrhunderts lagen die Schiffe ausschließlich auf dem Strome. Weiter oben ist schon 
der Erbauung des ersten Docks Erwähnung gethan worden. Seitdem ist eine ungeheuer 
große Anzahl dieser Anlagen entstanden, von denen der St. Katherines-Docks, der 
London-Docks, der West-Jndia-Docks, des East-Jndia-Docks, der Victoria-Docks, des 
Albert-Docks Erwähnung gethan werden mag. Die bedeutend weiter stromabwärts 
erbauten Docks, die Tilbury-Docks, haben sich nicht zu der gleichen Bedeutung wie die 
unmittelbar bei der Stadt liegenden zu entwickeln vermocht. 
Einer außerordentlich günstigen Lage und dem kühnen amerikanischen Unter- 
uehmungsgeiste hat New Jork es zu danken, daß sich dieser Ort innerhalb einer so 
kleinen Spanne Zeit zu einem der mächtigsten Emporien der Welt entwickelt hat. Als 
die Stadt im Jahre 1664 dem Herzog von Aork verliehen wurde, hatte sie nur mehrere 
Tausend Einwohner. Heute laufen in ihrem Hafen, dessen Einfahrt bei Sandh-Hook
	        
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