Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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sendungen nach Rußland gegangen, die eine völlige Umwälzung 
des russischen Geldwesens zur Folge hatten!); auf eigentlichen An- 
leihen beruhten diese Sendungen aber nicht; vielleicht waren es 
Rimessen für Warenlieferungen. Als in der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts das Vertrauen zu den russischen Finanzen und 
der dortigen Verwaltung stieg, nahm auch das Interesse des hol- 
ländischen Geldmarktes für Rußland beträchtlich zu. Die ersten 
Anleihen, die dieses im Ausland abschloß, gingen seit 1769 durch 
das Amsterdamer Haus R. & Th.de Smeth; es waren 
bis 1782 sieben Anleihen von zusammen ı7 Mill. fl.2’). Im Jahre 
1788 glückte es Hope & Co., jenem Hause das Monopol dieser 
Anleihen zu entreißen, und von 1788—17094 führte Hope Ruß- 
land Anleihen in der Höhe von 53% Mill. fl. zu. Diese Schuld, 
verbunden mit anderen und polnischen Schulden, wurde 1798 an- 
erkannt mit insgesamt 88 300 000 fl., verzinsbar zu 5%%). Infolge 
mangelhafter Amortisation und Zinszahlung schuldete Rußland hier- 
von nach den Befreiungskriegen noch 80 Mill. fl. Diese Schuld 
wurde dann gemeinsam von den Niederlanden und England über- 
nommen, um Rußland für seine Kriegsausgaben zu entschädigen‘). 
Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat Rußland den holländischen 
Geldmarkt noch wiederholt in Anspruch genommen und allein 
durch das Haus Hope von 1828—1840 Anleihen im Betrage 
von 132 Mill. fl. erhalten®). 
Selbst Polen, dessen Kredit von jeher schlecht war, fand 
im 18. Jahrhundert holländische Geldgeber. Als Vertreter des Königs 
Stanislaus Poniatowski brachte der Amsterdamer Ban- 
kier Quirijn Wilhelm van Hoorn 1781 für ihn eine 5%-Anleihe 
von ı Mill. fl. auf, ebenso 1791 zusammen‘ mit Gulcher & 
Mulder 1% Mill. fl. Das erstgenannte Bankhaus lieh auch dem 
1) Scheltema, Il, oval. van Dillen, BEronnen, S. 341. 
2) Elias, Vroedschap, 5.1798, 800. 
3) ElYas aaO. S.11060 1.1 Nach Stiassny, S. 139, hat 1789 Ruß- 
land noch eine Anleihe von 40 Mill. (fl. ?) für die Armee in der Moldau aufgenommen. 
A Lting Bösken #S:-100; Lagemans,| Recueil, I, 72 if; Colen- 
Hrander, Gedenkstukken, VII, 62, 161, 210, 227. 
5) Alting Bösken, S.|ı106f.; Baumstark,.5S.599; noch in |den 
1860er Jahren hat Rußland zwei als ‚,Anglo-Hollandais‘ bezeichnete Anleihen in 
Amsterdam und London aufgenommen (Skalkowsky, Les ministres des 
finances de la _Russie, S. 142, 180.)
	        
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