Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Keine von ihnen hat an Größe und Bedeutung die Eindeichung 
der Beemster (7174) und Schermer (4828 ha) erreicht. Auch an der 
friesischen Küste hat man dem Wattenmeer im Laufe der Zeit 
einiges Land abgewonnen; insbesondere ist zu nennen die Ein- 
deichung des Biltlandes nördlich Leeuwarden; sie fällt aber noch 
in die habsburgische Zeit (1505—1508)!). Außerdem sind im 18. 
und 19. Jahrhundert sowohl hier als auch an anderen Stellen der 
Nordküste Frieslands eine Reihe von Eindeichungen erfolgt, die 
namentlich am Dollart.3147 ha betrugen?). 
Ganz anders vollzog sich der Landgewinn in 
den Moor- und Heidegegenden. Hier gab es Strecken 
Landes, wo in merkwürdigem Kontrast Trockenheit und Wasser, 
Wüste und Fruchtbarkeit eng beieinander lagen und wo gerade 
dadurch den Menschen die Notwendigkeit, durch eigene Arbeit 
weiteren bebauungsfähigen Boden zu beschaffen, sich aufdrängen 
mußte?). Wenn diese Landgewinne in der Zeit vom 16. bis 18. 
Jahrhundert recht langsame Fortschritte machten und dadurch 
der Volks- und Landwirtschaft zunächst nur geringen Gewinn 
einbrachten, so hat das an verschiedenen Ursachen gelegen. In 
erster Linie an dem vielfach noch bestehenden Gemeineigentum 
an den Ödländereien, die meistens in den Händen der Markgenossen- 
schaften sich befanden. Nur vereinzelt und nicht immer auf recht- 
mäßigem Wege sind solche den Markgenossenschaften gehörige Öd- 
ländereien urbar gemacht worden. Sodann aber mangelte es für 
eine großartige Urbarmachung auch an den dafür erforderlichen 
Kenntnissen; die alten Erfahrungen, auf denen die Landwirtschaft 
noch beruhte, reichten für solche Kulturwerke nicht aus. Ferner 
fehlte es vielfach auch an Arbeitern für die Moorkultur*). Ein 
großes Hindernis für eine fortgeschrittene Unternehmung war 
sodann der Mangel an Dünger; für seine Anfuhr aus den 
Städten nach den Heiden genügten die Verkehrsmittel nicht. End- 
lich sahen auch die städtischen Kapitalisten in der Umwandlung 
der Heiden zu Kulturland kein gewinnreiches Objekt; weit locken- 
der erschien die Trockenlegung am Meere, und das war sie zweifellos, 
ı) Blink, Nederland, II, 323 ff.; Blink, Geschiedenis, II, 136 ff. 
2?) Blink, Geschiedenis, II, 138 ff. 
3) Hogendorp, V, 268; 
4 Hogendorp, V, 274f.
	        
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