Full text : Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

110 Der Kampf Afrikas um seine Befreiung.
gestellt wird —) angekauft wird, werden jene Parzellen gebildet, die dazu bestimmt sind,
die offizielle Kolonisation zu fördern.
Von den 2800000 ha bestellbaren Bodens, besitzen 37000 Europäer (Familien inbegriffen)
 700000 ha fruchtbarste Erde. Es bleiben 2 100000 ha für die 2 200000 Tunesier,
 unter denen sich eine bedeutende Schicht von Großgrundbesitzern befindet, die in
gleichem Maße wie die französischen Siedler die Bauernmassen Tunis’ ausbeuten.
Dazu kommen die Konzessionen, welche die tunesische Regierung dem französischen
Imperialismus überlassen mußte.
Auf dem Gebiete der französischen Freiheiten und der sozialen Gesetzgebung ist das
tunesische Volk nicht besser daran als das algerische. Presse-, Versammlungs- und Redefreiheit
 existieren nicht. Seit 1919 sind 46 Zeitschriften und Zeitungen verboten worden.
Zahlreiche Verurteilungen und Einkerkerungen sind vorgenommen worden. Jedes politische
„Vergehen“, mit Einschluß des Vergehens der ‚Absicht‘ wird schwer bestraft. Das Gewerkschaftsrecht,
 der Achtstundentag sind unbekannt.
Zahlreiche tunesische Bauern sind von dem französischen Imperialismus angeworben
und in die gemischten Regimenter einverleibt worden, die, von französischen Offizieren befehligt,
 wie die algerischen Heere dem Imperialismus dienen, um seine Herrschaft aufrechtzuerhalten
 und seine Eroberungen auszudehnen. 50000 Tunesier wurden während des
Weltkrieges an die Front entsandt. Erst kürzlich wurden Truppenteile gegen die Rifkabylen
und Syrier eingesetzt.
Die Unterweisung des Volkes ist in ihrer Entwicklung durch das Eindringen des imperialistischen
 Frankreichs in Tunis gehemmt worden. Heute liegen mehr als 200 000 Kinder
auf der Straße und die Regierung tut nichts, um neue Schulen zu schaffen.
Frankreich ist im Jahre 1881 unter dem Vorwand in Tunis eingerückt, den Bey in der
Unterdrückung einer Aufstandsbewegung in Krumirien zu unterstützen.
Es verpflichtete sich, das Land zu verlassen, sobald die Ordnung wiederhergestellt sei,
wovon eine Klausel des Vertrages zu Bardo zeugt, unter den Frankreich seine N Oeterschuft
setzte. 24 Jahre sind seitdem verstrichen, aber Frankreich ist immer noch nicht abgerückt.
Das tunesische Volk hat in gutem Glauben ein Kompromiß mit der französischen Regierung
 angestrebt, indem es Reformen vorschlug und Delegationen nach Paris sandte.
Nach einer Periode unbestimmter Versprechungen hat sich der französische Imperialismus
 endlich entschlossen, jeder tunesischen Forderung die Tür zu verriegeln, und hat seine
Politik der endlosen Ausbeutung, der Knechtung und „Assimilierung‘“ noch beschleunigt.
Da begriff das tunesische Volk, daß es nichts mehr von einer Republik zu erwarten
habe, die es in blinder Sympathie auf Grund seiner Geschichte oder Tendenzen, für liberal
gehalten hatte. Es sieht endlich ein, daß es allein auf sich selbst zählen darf, au£ die Unterstützung
 der unterdrückten Völker — seiner Brüder — wie auf den Beistand der Arbeiterund
 Bauernmassen Frankreichs, im besonderen, und der ganzen Welt im allgemeinen. Es
fordert heute seine bedingungslose Unabhängigkeit und wird mit allen Mitteln bis ans Ende
kämpfen, um dieses Ziel zu erreichen. In diesem Geiste hält es sich bereit und organisiert
es sich.
Der „„Nordafrikanische Stern‘ unterbreitet dem Kongreß folgende Forderungen, welche
die Bestrebungen und die Interessen der arbeitenden Bevölkerung Tunis’ zusammenfassen:
Unabhängigkeit Tunis’;
Zurückziehung der französischen Besatzungstruppen;
Bewaffnete Organisation der Nation;
Nationalversammlung, gewählt auf Grund allgemeinen Wahlrechtes;
Das allgemeine Wahlrecht, mit dem Alter von 18 Jahren, für alle Stufen;
Wählbarkeit in alle Versammlungen;
Anerkennung der arabischen Sprache als offizielle Sprache;
Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit;
Konfiskation zugunsten der Nation, der Eisenbahnlinien, Häfen, öffentlichen Dienste,
die im Besitz von fremden Gesellschaften sind;
Konfiskation des Großgrundbesitzes, der sich in den Händen von Feudalherren — den
Agenten des Imperialismus — von Kolonisten und Privatkapitalistischen Gesellschaften
 befindet, und
Rückgabe des Bodens an die Bauern, denen er geraubt wurde;
            
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